Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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nen Blumen. Für die Puppen und ihre Brüder malt sie einzelne Dinge: Blümchen, Häuschen, Sterne, Äpfelchen usw. auf kleine Zettel, säuberlich mitten hinein, symmetrisch im Gleichgewicht - auf einem großen Blatt Papier würden sich die Dinge verlieren. Mit der Bereicherung ihrer Vorstellungskraft wächst auch ihre Ausdrucksfähigkeit und sie malt kleine Bilder: ein Baum, auf dem ein singender Vogel sitzt, ein Hase im Kohl usw.: dann bindet sie ein kleines Büchlein, malt darin ein Bilder-ABC, damit ihr Bruder besser lernen kann. Langsam werden die Bildformate größer. Elsi hat mehr zu sagen; das Malen und Bilden bedeutet für sie ein Mitteilen und Sprechenlernen in Zeichen und Farben. Alles was sie tut ist für jemanden; andere Kinder bewahren ihre Blätter für sich selbst oder kümmern sich nicht mehr um ihre fertigen Bilder, andere wieder trennen sich nur schwer, verbergen oder vernichten ihre Arbeiten. Elsi ist hellblond und blauäugig, sie sieht frisch und gesund aus. Ahnlich wie sie selbst wirken auch ihre Bilder; sie sind lustig hell und klar. Elsi malt in frohen, unkomplizierten Farben und zeichnet in unverwischten, eindeutigen Linien. Wie könnte sie mit staubiger dicker Kohle zeichnen oder mit undurchsichtiger Temperafarbe. Mit Farbstiften zeichnet sie ungern, da man viele Striche machen muß, um eine farbige Fläche zu erhalten, und das Bild nicht schön wird - am meisten entsprechen ihr Blei Nr. 2 und durchsichtige, dünnflüssige Aquarellfarben; sie erreicht es bald, daß die Farben nicht mehr ineinanderfließen. Aus den vielen Materialmöglichkeiten wählt sie mit Sicherheit die ihrer Natur gemäßen Materialien aus. ★ ★ * Neben der frischen, aufrechten Elsi sitzt der achtjährige Peter; er mag nicht zeichnen. Peter ist schlapp und faul und lügnerisch; er hat an nichts Freude, zu nichts Lust; er erscheint dumpf und leer, e» fällt ihm nichts ein; er mag nicht allein sein,und da er sich langweilt, sucht er Gesellschaft, mischt sich in das Spiel der anderen Kinder und tollt ausgelassen herum. Er schleicht sich ein in die Liebe der Menschen, ist anschmiegend zärtlich; in seiner Zuneigung kann er temperamentvoll sein. Wenn Peter unvermittelt angesprochen wird, zieht er scheu den Kopf ein; wenn er jemanden anspricht, kann er aufdringlich sein. Beim Sprechen stößt er mit der Zunge an, lispelt. Für den Unterricht hat er wenig Interesse; wenn die anderen Kinder arbeiten wollen, stört er sie; wenn gelesen wird, hört er nicht hin und macht 440