Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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mal hineingeboren in diese Welt und gegenübergestellt zu sein der Welt mit all ihrem Reichtum. Durch das Zeichnen und Bildentasten sie sich hinein in die Dinge und orientieren sich in der Wirklichkeit, sie müssen erst Worte suchen und Zeichen bilden, um Festigkeit zu gewinnen in dem Fluß der Erscheinungen und der Eindrücke. Dieses Bilden ist ein intimes Sprechen, ein Dialog zwischen Mensch und Ding. Manchmal ist es ein schweres Ringen, und in der Intensität des Erlebens und Ergreifens wird zuweilen das technische Können übersprungen und es werden Zeichen gebildet von ursprünglicher Kraft. Für andere Kinder bedeutet das Zeichnen und Bilden ein Mitteilen. Die Beweggründe, die zum Zeichnen und Bilden führen, sind tausendfältig wie das Leben selbst; aber immer erscheint durch das äußere, sichtbare Wirken und Bilden eines Menschen, in seinem eigentümlichen Verhalten gegenüber der Welt, gegenüber den Dingen, Menschen und ^ich selbst: sein inneres Wesen. ★ ★ * Elsi ist die älteste von vier Geschwistern. Sie war sech» Jahre alt als ihre Mutter starb. Nach dem Tode der Mutter wurden die Kinder bei den Großeltern erzogen, in der Schweiz, dann kamen sie zu uns in den Kindergarten. Elsi ist jetzt acht Jahre alt. Sie hing sehr an der Mutter, spricht oft von ihr in Liebe und Sehnsucht. Sie wünscht auch wieder eine Mutter zu haben. Sie liebt ihre Brüder, betreut und pflegt sie mit mütterlicher Sorgfalt, ist hausfräulich besorgt um die Ordnung und Reinlichkeit ihrer Geschwister, um ihre Gesundheit und ihre Spiele. Sie fühlt sich verantwortlich für die drei Brüder, welche drei, fünf und sechs Jahre alt sind: der älteste ist leicht reizbar und nervös, sie leidet unter dieser Nervosität und wird selbst etwas empfindlich. Im Kindergarten ist sie stets hilfsbereit und fleißig, sie pflegt und behandelt die Kleinen mit Verständnis. Im Verkehr mit Erwachsenen ist Elsi zurückhaltend und schüchtern; sie liebt still verborgen die Menschen, die zu ihr gut sind; unter Kindern ist sie lebhaft und vergnügt und immer verträglich; alle Kinder, die großen und die kleinen, spielen gern mit ihr; sie liebt es. wenn Spaß gemacht wird, dann macht sie mit und ist fröhlich, doch nie ausgelassen; sie ist immer maßvoll. Sie spielt mit kleinen Sachen; in ihrer Sprache gibt es häufig die zärtliche Verkleinerungssilbe Ii, z. B. Häusli, Bäumli, Sternli. Bei dem Spiel mit den Puppen ist sie immer ,,die Mutter", hingegeben und selbstvergessen. Mit beseligter Innigkeit liebt sie die Blumen, besonders die kleim