Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Dummheiten; wenn andere ernsthaft miteinander reden, albert er ins Gespräch hinein. Beim Zeichnen schmiert er im Heft herum, schließlich fängt er an, etwas Bestimmtes zu zeichnen: eine wagerechte Linie, die von einer Heftseite zur nächsten sich fortsetzt durch das ganze Heft; über die dritte, vierte und fünfte Seite erstreckt sich ein Berg mit einem Tunnel, dann kommt wieder die leere Linie, und jetzt ein Eisenbahnzug mit vielen Wagen über sechs Seiten hinweg. Als er damit fertig ist, sagt er: Jetzt fährt der Zug in den Tunnel und jetzt wird es dunkel4', darauf wischt er den Eisenbahnzug und den Berg mit wirren Strichen schwarz zu. Im nächsten Heft zeichnet er einen Tisch, immer wieder einen Tisch, kümmerlich mit vier Strichen unter großer Anstrengung; auf jeder großen Heftseite steht ein kleiner Tisch, gezeichnet in die Mitte des unteren Blattrandes. Auf meinen Vorschlag, den Tisch in die Mitte des Blattes zu setzen, geht er nicht ein. Ich folge ihm auf dem Nachhauseweg: jetzt sollte er über einen kleinen freien Platz gehen, er geht aber dicht im Schutze der Häuser um den Platz herum; schließlich finde ich heraus, daß sein drei Jahre älterer Bruder in der Freude am Quälen den kleinen Peter schon seit langer Zeit mit Halsabschneiden bedroht. Nachdem ich Peter diese Angst nehmen kann, wird er freier und froher, es kommen ihm Bilder in den Sinn, aber die Farben sind von abgedämpfter und getrübter Grundstimmung. Peter bevorzugt Blei Nr. 1, mit dem er weichschwarz zeichnen und schmieren kann, und Aquarellfarben in dicker, undurchsichtiger Mischung, dunkel leuchtend. Die Bilder sind meistens eingestellt auf ein schweres lltramarinblau, Schwarz, Dunkelbraun, Dunkelgrün und spärliches GelbgTÜn. Erlöst von dumpfer Angstgebundenheit und ausleerendem Warten, stellt Peter nun in dem folgenden Bilde eine Untergrundbahn dar im Tunnel; auf dem nächsten Bild kommt die Untergrundbahn aus dem Tunnel perspektivisch herausgeschossen, fast auf den Beschauer los; bis dahin hat Peter noch niemals perspektivische Darstellungen gezeichnet, alle Vorgänge blieben in der Fläche. Auf dem nächsten Bild wird ein Dampfer, der landen will, vom Sturm abgetrieben ins Meer; dann sieht man im folgenden Bild den Dampfer in Sturm und Nacht, darauf im dritten Bild legt sich der Sturm und ein Wind hilft dem Dampfer dem Lande zu. Nun malt Peter mit viel Fleiß ein großes Bild: der Dampfer an Land - ein fruchtbares Land in hoher Erstreckung, rhythmisch gegliedert durch Kornfelder und umgepflügte Felder, Himmel und Meer tiefblau. Das ganze Bild ruht in 441