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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 72)
Language
German
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HEINRICH SACHS VOM LEBEN UND BILDEN EINIGER KINDER Berichte eines Lehrers Unsere Schule liegt am oberen Ende eines stillen Tales im Odenwald; hier sind Männer und Frauen als Lehrer und Erzieher mit den Kindern in enger Lebens- und Arbeitsgemeinschaft verbunden. Zu uns kommen Kinder in allen Altersstufen, von der Geburt an bis etwa zum zwanzigsten Lebensjahr, Knaben und Mädchen der verschiedensten Rassen und aus allen Gesellschaftsschichten. Durch eine besondere Arbeitsorganisation kommt die größte Anzahl der Kinder mindestens einmal im Jahr auf vier bis sechs Wochen zum Zeichenunterricht, um täglich etwTa zwei Stunden zu arbeiten; dadurch ist eine Vertiefung und eine zusammenhängende, im Fortlauf sich entwickelnde Arbeit möglich, welche auch von den Kindern wahrgenommen wird, denn sie setzen meistens ihre im ersten Kurs begonnene Arbeit fort, allein oder in einer kursmäßigen Arbeitsgruppe. Der Zeichenunterricht umfaßt alle Möglichkeiten bildnerischen Ausdrucks und Gestaltens im Zeichnen, Malen und Formen, und steht in enger Verbindung mit den Handwerksgebieten, welche bei uns von Kindern betrieben werden: Schreinerei, Schlosserei, Buchbinderei, Näherei, Korbflechten, Bastarbeiten und Keramik. Im Zeichenunterricht dürfen die Kinder zunächst malen, zeichnen, formen oder basteln mit allen Materialien, die zur Verfügung stehen oder die sie selbst mitbringen; sie können tun was sie w ollen. In dieser Freiheit tretenWesensähnlichkeiten und Wesensverschiedenheiten hervor und die Eigenart eines jeden Kindes wird sichtbar an dem was es darstellt und wie es darstellt. Das Wesen des einzelnen Kindes wird offenbar und erscheint als ein Kern, abgewandelt durch die Eindrücke und Einflüsse lebendiger, wesengestaltender Kräfte: der Landschaft, der Rasse, der Sprache, des Milieus, der Erziehung, der körperlichen und geistigen Anlagen. Diese Kräfte wirken sich aus in dem Leben und indem Bilden eines jeden Kindes, und das Gcbild redet nicht nur von der eigenartigen Geschöpflichkeit seines Bildners, manchmal ist die unscheinbare Äußerung eines Kindes die leibhaftige Auferstehung und ein unheimliches Reden vergangener Zeiten und Geschlechter in unbegreiflicher, lebendiger Gegenwart, und das innere Leben des Menschen erscheint existent aus dem Leben der Ahnen und Vorahnen. Andere wieder scheinen zum ersten- 438

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