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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 70)
Language
German
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Verantwortung auch eine echte Erschütterung bei diesem oder jenem Schüler. Dies ist dann wohl das eigentlich Wertvolle und Fruchtbare, aber es geschieht eben nur an der Akademie und nicht durch sie, so wie es auch sonst an den Schulen alter Observanz geschieht, wo dem persönlichen Wirken des Lehrers genügend Spielraum gelassen wird. Man kann diesen Zustand bejahen und sagen: „Das Wirken der einzelnen verantwortlichen Person, die bestehende Institutionen zum Anlaß nimmt, um daran im Sinne des Kommenden zu wirken, ist eben heute die gebotene Form der Erziehung/4 Gut, aber was dann? Bejahen wir diese Art des Wirkens auch für die Akademie, dann muß es unsere wesentliche Sorge sein, den persönlichen Wirkraum vor dem Verschlungenwerden durch Fach und Stoff und System zu schützen, den „fruchtbaren Nullpunkt" gegen den sogenannten systematischen Lehrplan neuester Prägung zu verteidigen. Ich glaube nicht, daß von einer Schule heute mehr zu erwarten, im Rahmen einer Institution mehr zu erreichen ist. Kurz und gut. die Akademie als reguläre Lehreinrichtung kann auch bei günstigster Entfaltungsmöglichkeit ihrer Bildungsidee nichts anderes erzielen, als den ..geistigen Aufstieg der Arbeiterschaft" befördern: bestenfalls in der Richtung eines wirklichkeitsnäheren, auf die besondere Situation der Arbeiterschaft abgestellten Humanismus, wie er ja auch die Spitzenleistung der pädagogischen Erneuerung dieser Zeit kennzeichnet. Lind doch geht es heut um etwas ganz anderes: um eine totale Verwandlung des Geistes, um seine radikale, existentielle Umkehr zu einer gläubigen Grundhaltung von der Wirklichkeit unsrer Geschichtsstunde. Gläubig aber heißt hier: personale Aufgeschlossenheit für jenes „Ewige", das hier und heute uns kategorisch anspricht und durch uns in die Zeit eintreten, Geschichte werden will. Es geht einfach um die Bekehrung des abendländischen Menschen zu einem ^religiösen geschichtlichen Realismus"; es geht um die Verankerung unsres gesamten öffentlichen Wirkens in diesem religiösen Realismus, um die Glaubenstaufe wie des politischen Wirkens so des Geistes und der Lehre. Auf diese grundstürzende Neufundamentierung des gesamten öffentlichen Lebens, in den verantwortlichen Menschen, kommt es in Europa jetzt an. Entscheidend ist nicht der „rechte Gedanke" und die „rechte Tat", entscheidend ist die Existenzsphäre, die beide beglaubigt: ob diesseits oder jenseits der Glaubenslinie entsprungen. Es geht nicht um eine Revolution der Ideen oder Inhalte oder seelisch-geisti- 436

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