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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 67)
Language
German
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telpunkt gedrängt und ermöglicht heute ihre Antwort: die Zeitberufenheit der Bildungsaufgabe und Bildungsidee der Akademie der Arbeit ist fraglos, aber war sie nicht für die Gegenwart von vornherein zum Fehlschlag verurteilt, weil sie sich verfrüht in einer öffentlichen Institution auszuprägen suchte, deren Garanten und Auguren Staat und Gewerkschaften waren? Mächte also, von denen man für ein solches grundstürzendes Experiment bestenfalls eine befristete, völlig ungewisse Toleranz erwarten, die man aber keinesfalls in das Glaubenswagnis, das hier im Kern doch gefordert war, mit einbeziehen durfte? Rosenstock hat selbst in dem Vorwort zu seiner mit ferner Picht jüngst herausgegebenen Dokumentensammlung ,,Im Kampf um die E rwachsenenbildung"1), die auch seine Veröffentlichungen über die Akademie der Arbeit enthält, auf diese Frage geantwortet: die Zeit sei auf Fehlschläge angelegt, die „gigantische Selbstbelügung aller Klassen in den Jahren der Inflation" habe vieles Begonnene verdorren lassen, die Erwachsenenbildung aber gehe jetzt nicht mehr vorwiegend die Arbeiterschaft an, sondern ,,in überwältigendem Maße die verantwortlichen Minderheiten in allen Lagern und Gruppen unsres Volkes". Demgemäß fordert Rosenstock heute auch eine andere, lockerere Bildungsform, sogenannte ,„ Freizeiten", d. h. spontane, zellenartige Arbeitsgemeinschaften, in denen Erwachsene aus allen Volksschichten in verantwortlicher Aussprache sich begegnen, insbesondere Arbeiter, Unternehmer, Ingenieure und die sog. Geistigen. Denn jede Schicht unsres Volkes sei in sich selbst unfähig, dir Gebrechen auch nur ihres eigenen Lebenskreises zu heilen. Aber diese Deutung Rosenstocks scheint mir im Hinblick auf den Fehlschlag64 der Akademie der Arbeit nicht zu genügen. Rosenstuck übersieht nach meiner Ansicht auch heute noch den Strukturfehler des Aufbaus dieser Schule: nämlich daß er mit seiner Bildungsidee den einzelnen Lehrgängen eine Erschütterung durch Glaubensumkehr, den Lehrern und Schülern eine entscheidende Wandlung zumutete, die nicht die Aufgabe des Bildungsgangs, sondern deren Eintritt die Voraussetzung für die Ermöglichung des Bildungsgangs war. Eine Bildungsidee, die nur als Lebensform dieser gläubigen Menschen hic et nunc zu verwirklichen war, als ., Bildungsstätte aus dem Glauben", wurde in der Akademie der Arbeit durch institutionelle Vorwegnahme der Wirkform des Glaubens verwirklicht, die *) Quelle & Meyer, Leipzig 1926. 133

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