Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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liehe Bildungsstätte für das arbeitende Volk sein, wichtig ist, daß die Mitarbeiter die ganze Mannigfaltigkeit der Berufe, Anschauungen, Strebungen usw. im Volke repräsentieren, so ist es für sie notwendig, daß auch in der geistigen Führung die parteilichen Kräfte des Volkes wirksam sind. Eine Homogenität der Dozenten von vornherein würde gerade die erst im Geisteskampfe und in rückhaltloser männlichen Begegnung zu begründende Gemeinschaft, die neue „Volkheit" unmöglich machen. Denn dies ist ja die Aufgabe: die Lehrer, die Mitarbeiter ausbilden sollen, müssen selbst in die Lage kommen, sich vor ihren Schülern als Mitarbeiter zu zeigen. Das kann nur geschehen in einer echten Gemeinschaft von Lehrenden, nicht nur in der Form einer humanen Kollegialität. Die Dozentengemeinschaft muß das Miteinanderarbeiten selbst beispielhaft verwirklichen: durch Aussprache, ständige Auseinandersetzung und Verständigung. Aber auch der Lehrinhalt der Arbeiterbildung verlangt diese Gemeinschaft. Denn die Lehre, wie sie hier gefordert ist, ist ja in selbständiger Forschung aus dem Rohstoff des Fakultätswissens herauszubilden. Das kann keinDozent für sich allein leisten, dazu bedarf er des lebendigen Austausches mit den Dozenten der anderen Fächer. In diesen Aussprachen kann sich da die Sprengung eben jener Abkapselung der Fachsprachen vollziehen, die sich heute, wo fast jeder Forscher seine eigene Terminologie hat, in einer katastrophalen Sprachenverwirrung auswirkt.Was die Dozenten von ihren Schülern verlangen, das müssen sie also unter sich selbst auch vollbringen: die Überwindung der idealistischen Freiheit des Geistes, die Spaltung des Lebens in Theorie und Praxis, in Wille und Vorstellung" durch den gebundenen Geist, der den Lebenserscheinungen zugewandt ist, an notwendige Dinge anknüpft, auf notwendige Fragen antwortet und zum Samariterdienst am notleidenden Leben wird. 2. Die Akademie der Arbeit besteht jetzt fast sechs Jahre; sie hat bis heute grundsätzlich die Bildungsaufgabe und Lehrmethode des Beginns festgehalten und sich öffentlich immer wieder dazu bekannt. Es läge deshalb nahe, die Erfahrungen dieser sechs Jahre in einem kritischen Rückblick zu verarbeiten, der die Erfolge und Mißerfolge und ihre Ursachen feststellt und daran den Grad der Verwirklichung und Verwirklichungsmöglichkeit der verpflichtenden Bildungsaufgäbe mißt. Aber die kritische Besinnung dieser Jahre hat eine andere Fragestellung immer stärker in den Mit- 432