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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 64

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 64)
Language
German
Belongs to
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geteilt, die von den hauptamtlichen Dozenten in parallel laufenden Kursen durch den Lehrgang geführt werden. Aufgabe dieser Gruppenarbeit ist es, von den Tatsachengebieten eigener Lebenserfahrung und eigenen Lebensschicksals auszugehen und sie in selbständiger Gestaltung geistig durchzubilden. Damit verbunden werden aber nacheinander die Gebiete materiellen Wissens: Wirtschaft, Gesellschaft, Recht und Staat. Deren Behandlung aber darf sich nicht mit der nackten Erkenntnis begnügen, sondern soll diese in die verpflichtende Erkenntnis, die auf Wirken und Gestaltung hindrängt, hinüberführen. Die Vorlesungen, die nacheinander Gesamtbilder des Rechts, der Wirtschaft, des Staates und der Politik, der Arbeitswissenschaft, der Soziallehren, der volkswirtschaftlichen Theorien und der Geschichte usw. entrollen und die später einsetzenden Seminare, in denen einzelne Fragen oder einzelne hervorragende Schriften bewältigt werden, erhalten von der Gruppenarbeit her ihre zeitliche und stoffliche Gliederung und Rechtfertigung. Für den Lehrinhalt der Arbeiterbildung ist maßgebend, daß der arbeitende Mensch ein anderes Reifezeugnis mitbringt als der Schulentlassene und der Student. Die Kenntnis eines Berufs, einer Technik, eines Betriebes, einer arbeitsteiligen Umwelt mit ihren Regeln und ihren Formen ist seine Maturität. Außerdem hat er meist soviel Lebenszeit hinter sich, um auch für die Gesetze eines Lebenslaufs Erfahrungen mitzubringen. Der Stoff der Wirklichkeit, auf den Wissen und Lehre sich erstrecken muß, läßt sich ihm also von der Welt der Arbeit her und von seinem Lebenslauf her ersehließen, die Wissensgebiete lassen sich von hier aus gliedern. Das Gelingen dieser Aufgabe hängt zum großen Teil auch von den Schülern ab: entscheidend ist, daß sie aus sich herausgehen, sich mit den Lehrern auf der Ebene rückhaltloser männlicher Auseinandersetzung begegnen und so zu wirklichen Mitarbeitern werden. Nur dann ist das Ziel zu erreichen, daß der Bildungsprozeß des Jahres - der Lehrgang der Akademie umfaßt 9 volle Monate - die Erkenntnisse so in die Individualität des erwachsenen Schülers einbaut, daß dieser sie im Leben verantwortlich vertreten kann. Von dieser Erfahrungswelt aus gliedern sich dann die Wissensgebiete, die dem Arbeiter sich somit aus dem lebendigen Zusammenhang seines Lebens mit dem Volks- und Menschheitsleben entfalten. Der Gang der Arbeiterbildung zielt ja darauf ab, den Arbeiter tauglich zu machen für ein öffentliches Leben und Wirken, ihn zur geistigen Mann- 430

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