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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
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für die Praxis ergaben, überbelastet war. Die äußeren und inneren Kämpfe führten am Ende des ersten Lehrgangs zum Weggang Eugen Rosenstocks. Wir andern, die wir an der Akademie verblieben, nahmen die ursprüngliche Idee auf und führten den Kampf für sie fort, freilich ohne jemals das Gefühl loszuwerden, daß bereits in dem Fundament, auf das die Bildungsstätte gegründet war, ein verhängnisvoller Fehler stecken müsse. Es sei zunächst in Kürze die Bildungsidee der Akademie der Arbeit und die aus ihr gestaltete Lehrmethode, wie sie grundsätzlich bis heute von den verantwortlichen Trägern des Lehrhauses festgehalten worden ist, dargestellt. Ein zweiter Abschnitt gibt dann den Ertrag der mehrjährigen geistigen Auseinandersetzung mit dem Versuch, diese Bildungsidee institutionell zu verwirklichen. 1. Ausgangspunkt für die Bildungsaufgabe der Akademie der Arbeit war nicht mehr die Fragestellung der bürgerlichen Volksbildung und der Arbeiterbildungsbestrebungen der Vorkriegszeit, sondern die Tatsache des Zusammenbruchs unsrer bisherigen Volks- und Staatsordnung im Jahre 1918 und, damit zusammenhängend, die anhebende Berufung der Arbeiterschaft zur verantwortlichen Mitträgerschaft einer kommenden neuen Volksordnung: zur Lösung der Aufgabe zwischen Gesellschaft und Volk. Die Volksbildungsbewegung des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts war eine künstliche Reaktion auf die Tatsache, daß die echte Volksbildung im Verfallen war: Volksbildung als Formung des Volkes durch Gemeingeist, durch die verbindlichen Lebensordnungen und die Sprachgebilde, in denen dieser Gemeingeist Gestalt und Ausdruck gewann. Die Neuzeit, vorzüglich das 19. Jahrhundert, war aber gekennzeichnet durch den Rückzug des Geistes und mit ihm der Bildung aus den O o Niederungen" des Volkslebens und seiner Ordnungen auf ideale Höhen. Sie war gekennzeichnet durch die Scheidung des Volkes in Gebildete" und „Ungebildete44. Träger dieser neuzeitlichen Bildung war der dritte Stand, das Bürgertum. Diese bürgerliche Kultur und Wissenschaft war wesentlich Ausdruck des Geistes einer sich immer schärfer absondernden Gesellschaftsklasse: sie war liberal und individualistisch und zersetzte, wo sie eindrang, die Volkskultur. Diesen Wesenszug behielt das bürgerliche o7 O o Geistesleben auch in der Verdünnungsform der Volksbildung". In der Arbeiterschaft wurde der Krisenzustand dieser neuzeitlichen 127

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