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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 59)
Language
German
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eignet, aus sich heraus den „Nächsten"im Menschen unsichtbar zu machen. Beide sind ohne Seele. Denn beide spiegeln nur ein Fragment des Menschen, buchstäblich ein Fragment, einen Bruchteil seiner Gezeiten, noch ohne Anweisung, wie über die Bruchstellen hinüberzugelangen sei in den anderen Teil, in die nächste Periode. - Wir haben in dieser Aussprache zufrieden sein müssen, die Voraussetzungen, die „Lehre" nötig machen, neu herauszuarbeiten. Von ihr selber konnten wir noch nichts aussagen, obwohl doch hier erst die Fragen nach einer beseelten Volksordnung stecken. Jetzt wissen wir nur, womit diese zu rechnen hat. Es ist seltsam, daß man im Schlußwort immer nur einen Teil dessen „durchsetzt", was man vertrauensvoll in den ersten Aufsat/ hineingesetzt hat. Oder vielleicht ist das gerade nicht seltsam, sondern der Lauf der Welt. Wir sind einander so zweideutig, daß man vieles hinsetzen muß, um nur etwas erfolgreich im Nächsten anzustoßen und dies nun wirklich gemeinsam mit ihm umzusetzen und zu übersetzen. Der Einzelne verträgt viel, die Gemeinschaft aber nur wenig Geist, gerade nur so viel, um ihren Zusammenhalt zu bekräftigen. Nötig war zum Verkitten der Jugend mit der Lehre daher nur, daß wir uns über Mehrzahl und Führung klar wurden. Eine kleine Entdeckung springt dabei heraus: Man kann allenthalben lesen, der „Wandervogel6" habe das Wandern entdeckt. Das ist der reine Unsinn. Im ganzen 1(). Jahrhundert sind Freunde fanatisch gewandert. Der Wandervogel hat nicht Ö o das Wandern geschaffen, sondern die Seelenfreundschaft abgeschafft. Er hat sie durch die Mehrzahl der unpersönlichen Wandervögel ersetzt. Karl Fischer nahm seinen Stenographenv erein auf Fahrt, nicht seinen Busenfreund. Der freideutsche Student war noch Individualist; der Wandervogel findet in den Mythos der Mehrzahl zurück. Die Jugendbewegung wird nur deshalb durch den „Wandervogel64 reiner verkörpert als durch den Freideutschen. Auf die unpersönliche Mehrzahl kam es an, nicht auf das Wandern. Dies für heut. Uber „die Lehre" werden wohl nicht die Jungen, sondern die Alten ihre Einwände vorzubringen haben, weil nur die Alten sich hier angegriffen fühlen können. Das wäre eine schöne Bestätigung der hier vorgetragenen Erfahrungen mit der „Polychrome" des Volks, mit seinen einährigen Geistern und seiner mehraltrigen Ordnung. 425

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