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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
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bestimmt-treulosen Mehrzahl der Jugend oder der allzu bestimmten, wandellosen Ämter gier des Alters, vom Glanz der Fülle und vom Glanz der Macht. Ist der einzelne Jüngling berufen, so weiß man es doch noch nicht. Man sieht nur seine Zugehörigkeit zu seinem Kreis, seiner Gruppe, seinem Genus. Und umgekehrt: wurzelt der einzelne Amtsträger in einer Gruppe, in einer Vielfalt des Menschlichen, so sieht ihm das doch niemand an und es geht auch zunächst niemand etwas an, der ihn auf die einsame Spezialität seiner Funktion in Anspruch nimmt. Die beste Kraft im Menschen, nicht das zu sein, was er zu sein scheint, wird also ständig verhüllt durch diesen Schein, den die alte Christenheit die arge „Welt" nannte, der aber als die zeitliche Schöpfungsform des Zeitwesens Mensch eben nicht nur „arg", sondern auch wirksam ist und bleiben soll. Denn er entspricht zwei natürlichen Lichtquellen, die nun einmal glänzen. Gewiß gibt der Glanz der Unerschöpflichkeit und Zahllosigkeit und der Glanz der amtlichen Vollmacht nur ein trügerisches Licht. Nur ihr Trug hat ja die tollkühne Leistung des Krieges ermöglicht. Vier Jahre lang hatten wir trotz lauter amtlicher Vollmachten keine Regierung, sondern schlitterten eben einfach weiter, bis die hohlen Masken fielen, und vier Jahre lang verließen sich diese amtlichen Machthaber umgekehrt ebenso naiv auf die Unerschöpflichkeit der Volkskraft, bis Hunger und Pestgrippe auch diesem Glanz ein Ende machten. Aber so verblenden diese Lichtquellen nur ein in Volk und Staat, Jugend und Alter, Fach und Neigung auseinandergeborstenes, gottverlassenes Volkstum. Auch ein wiederhergestelltes Volk wird im Lichte seiner höheren Ordnung diese beiden Teillichter nicht übersehen dürfen, den Glanz, der über Jugend und Alter, der über der Kraft der Vielzahl und der Vollmacht des Amts liegt. Wer die Scharen der Kämpfenden einmal mit den Ähren des Kornfeldes vergleichen mußte, wer die „heilige Kraft" eines Herrn walten gefühlt hat in seinem Bereich, wer die Weise des Epos kennt, in dem H >mer von beidem singt, der weiß, daß er selbst diesem Glanz unterworfen ist. Und so wird er für die Gegenwart etwa sagen, scheu gewarnt durch den Weltkrieg und trotzdem bejahend: Die bestimmte Funktionsordnung einer weltweiten „menschlichen Gesellschaft" der Erwachsenen und die unbestimmte Gemeinschaftsordnung einer völkischen Jugend stehen gegeneinander. Beide sind Naturtatsachen. Sie sind ohne befriedigenden Zusammenhang miteinander. Beide sind ge- 424

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