Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Deshalb ist z. B. der Fascismus, so wie ihn der Justizminister Mussolinis in einer von diesem gebilligten Rede bestimmt hat, unfähig, durchzustoßen bis ins Herz des einzelnen Volksgliedes, weil er die unbestimmte Gruppe, die geräuschvolle Gruppenherrlichkeit ewiger Jugend für alle und immer proklamiert. Das Alter ist geräuschloser. Aber es hat ebenfalls seine tunhälftige unzulängliche Urverfassung: die der Arbeitsteilung. Das Alter der Männer - nicht das Greisenalter, aber von diesem handeln wir für diesmal absichtlich nicht - will sich reibungslos organisieren; jeder sein Büro, jeder sein Tippfräulein. Und nun gegenseitiges Bombardement aus einer abgedichteten Fernsprechzelle in die nächste, von einer eingemauerten Monade mit allen anderen. Wie alt die meisten der Jahreszahl nach ..jungen" Menschen sind, läßt sich aus der Organisationswut und mechanischen Arbeitsteilung sehen, die viele in ihren Bünden fieberhaft den Alten nachmachen. Ich kannte eine Gilde an einer süddeutschen Lniversität, die sich jedes Semester neu einem Führer zu völlig freier Formung anvertraute. Sie ist das reinste Gebilde echter Jugend, das mir begegnet ist. Die Männer wollen den Fachmann und die Fächerteilung. Sie wollen die Aristokratie der Ämter, den Stumpfsinn der Bürokratie und den freien Wirkungskreis für jeden. Diese Männerordnung des Liberalismus, der Gesellschaft, des mechanischen Staats und seiner Philosophien versagt genau so vor dem Rätsel des Nachwuchses in all seine Arbeiten und Ämter, wie die Führergruppe der Jugend vor der Übermacht dei Ämter scheitert. Die Männerordnung kann ja auch für die Heraufführung und Einführung des Nachwuchses nur Spezialisten abordnen und den Volksschullehrer, Studienrat und Professor als Fachmann für Pädagogik züchten. L nd die staatsbürgerliche Welt der Neuzeit, Männerordnung die sie ist, macht durch dies Erziehungssystem Bankerott. Der Führer führt seine Gruppe ins Nichts, statt in die männliche Berufswelt, weil er in dem Mythos gefangen bleibt. Der Fachmann treibt den Nachwuchs ins Examen, statt in die persönliche Erziehung, weil er in der Ämterteilung stecken bleibt. - Es wäre mir schon genug, wenn die Aussprache ergeben hätte, wo die beiden Gefahren der Vergewaltigung des Menschlichen im Volk immer neu auftauchen: in den Gewalten, kraft deren sich Jugend und Alter gegeneinander verblenden, geblendet von dem überstarken Eindruck der un- 123