Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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öffentliches Leben vergiften, sind Abstraktionen, die für das Genus „Jugend64, das Genus Publikum", das Genus „Laien46, kurz für eine unbestimmte Flut von unverantwortlichen Hörern zubereitet worden sind. Daß die Kirche alt, die Erwachsenen bequem, die Institutionen überlebt werden, ist also nur die eine Tatsache, die wir der Aufmerksamkeit der Revolutionäre empfehlen. Die ebenso unabänderliche Tatsache ist, daß Jugend im Alter nur den Machthaber, im Wort nur die allgemeine Idee, im Denken nur das Abstrakte zu erkennen vermag, weil sie sich selber noch nicht erkennen lassen will oder darf. Es sind also zwei Gründe für die Greuel dieser Welt da, nicht einer. ..An sich44 ist die Jugend genau solch Hindernis für eine schlichte Lebensordnung wie das Alter. Ich als Professor und ihr als Studenten seid beide Lebensformen, die überwunden werden müssen; man kann zwar weder den Plural abschaffen noch das Amt. Aber man kann durchschauen, daß sie beide den Blick trüben für das, was es hinter den Generationsformen der Unbestimmtheit und Bestimmtheit gibt und was uns über sie hinweg trägt. Jugend und Alter haben ihre natürlichen Verfassungen. Und deren Unzulänglichkeiten werden nun durchschaubar. Mehrzahl ist die Institution der Jugend, und zwar gerade in ihrem tiefsten und edelsten und unentbehrlichsten Sinn. Damit wird nun die heldische Führung dieser Mehrzahl, also die Gruppe oder der Bund mit heroisch-autoritärer Spitze begreifbar als ein Versuch, diese jugendliche Vielfalt einfach durch ihren Gegensatz zu überwinden, durch den einfachen vereinheitlichenden Führer. Dieser Führer ist mehr als jung, weil er Einer ist und sein will. Aber er ist kein Erwachsener, weil ihm die Einmündung in die ererbte Welt der Ämter fehlt. So wird Jugend also zwar Einheit, aber sie wird nicht alt, sie gelangt nicht aus dem Mythos ihrer jugendlichen Freiheit hinüber in den Mythos des ernsten Gesetzesalters. Sie lebt einen Mythos zu wenig. Sie würde daher ins Weitervegetieren verstoßen wie der Urzeitstamm durch seinen Mythos, der ihn unentrinnbar umschlossen hielt, wenn nicht der erdumspannende Zwang der gesellschaftlichen Arbeit und ihrer Funktionenteilung all diese Führergruppen schnell sprengte und widerlegte. Also ist diese direkte Entstehung des Einzelnen unmittelbar aus der Mehrzahl der Jugend heraus in der Person des auf den Schild gehobenen Heros eponymos nur eine halbschlächtige, einhälftige Lösung der Aufgabe, wie aus Jugend und Alter Volk sich entfalten könne. 422