Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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zeichnet, wenn er den Dichter selber daraufhin eine „Hoffnung44 zu nennen wagt. Vielleicht war das kritisierte Werk gerade das beste Werk dieses Autors, oder es bleibt sein einziges oder aber es wird das letzte gewesen sein. Aber der Begriff „Dichter" ermutigt den Schauenden, Zuschauenden, in unserem Sinne also den jungen Teil des Volks, ihn mitleidlos als ewigen Dichter, als Dichter von Amts wegen für Lebenszeit anzusehen. Er sieht in ihn eine dauernde Funktion hinein, die jener gefällig zu wiederholen hat. Was die unverantwortlichen, unbestimmten Kräfte also dem verantwortlich Handelnden antun, ist dies: sie schreiben ihm eine bestimmte Rolle zu, verlangen und unterstellen aber, daß er diese eine ewig spiele. Im Handeln werden wir zu einer Einheit und Einzahl und Einseitigkeit, von denen wir uns bei Beginn unserer Tätigkeit nichts haben träumen lassen. Aber es ist zum guten Teil das Publikum, der jüngere, der im Unbestimmten verharrende Teil unserer Zeitgenossen, der uns so einseitig werden läßt. Die Jüngeren machen die Älteren alt im Geiste. Gerade der „letzte Mensch46, das letzte Geschlecht, das wäre also eine Generation, die keinen Nachwuchs auf den Fersen hätte, sie würde ewig unverantwortlich, ewig jung, ewig unbestimmt bleiben können. Sie hätte keine Amter wahrzunehmen, keine bestimmten Gewalten durehzutragen durch die andringende freie Flut der Spielkräfte. Wenn dem Jüngeren am Älteren das Amt zuerst in dir Augen sticht, weil er an diesem Amt das Mittel hat, den Älteren von sich fern zu halten, ihn als anders zu begreifen und abzutun, so tut der Ältere auch dem Jüngeren ein Leids an, gerade wenn er ihm als dem Jüngeren Gerechtigkeit widerfahren läßt. Und hier ist der Punkt, wo die Aussprache über „Lehrer oder Führer" uns vielleicht doch zu einer gemeinsamen Erkenntnis führt, wo sie uns also doch das leistet, was nie der Vortrag, sondern nur die Aussprache zu leisten vermag, die Gemeinsamkeit der Erkenntnis. Auf sie kommt es uns ja an. Die Angegriffenen hatten vielleicht recht, jeder einzelne, sieh angegriffen zu fühlen. Freilich nicht wegen irgendeiner Behauptung, eines Urteils oder Begriffs in meinem Aufsatz, sondern weil ja der Schreibende für ein Publikum schreibt, der Ältere die Jüngeren schlechthin anredet, ohne die Einzelnen herauszugreifen. Und nun reagiert gerade der, der sich getroffen und herausgegriffen fühlt von einem Wort, wie Nietzsche es einmal schön gesagt hat, reagiert gerade dieser mit heftigem idersprueh, weil er es 417