Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2823768-2823781-2823786--0422-2824493- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Spannungen dieser Dynamik entspringt das, was eben zu ,lehren4 wäre, und das ich mir auch als überzeitlich denken kann, denn es muß jenes Gebäude, das .auf zwei Augen6 beruht, überdauern/6 „Auf zwei Augen" ruhen die einaltrigen Ordnungen, nämlich auf der Art, wie die zwei Augen des Führers, Helden, Gründers, heros eponymos. Unternehmers die Welt angesehen und erfaßt haben. Die Lehre geschieht mindestens unter vier Augen, aber sie traut sich sogar zu, jedermanns Augen zu seiner Zeit zu erleuchten. 2. Mehrzahl und Amt In dieser kurzen Umschrift meines ersten Aufsatzes ist wohl alles vermieden, was die Führung zu etwas Geringerem machte, als die Lehre, oder was die Lehre dem Machthunger abstrakter Wissenschaft, also den einaltrigen Systemen neuzeitlicher Philosophie und Fachkenntnisse gleichzusetzen gestattete. Und die oben angeführte Briefstelle eines Jugendführers zeigt, daß er sich auch von der ersten Fassung nicht angegriffen gefühlt hat so, als sei nun die Jugendgeneration mit ihren unbestimmten Kräften im Volk darin anders behandelt als die Erwachsenengeneration mit ihren bestimmten politischen Gewalten. Und doch hat die erste Fassung von „Lehrer oder Führer64 zu allen diesen Mißverständnissen Anlaß gegeben. Zeugnis dessen sind die inzwischen hier abgedruckten Entgegnungen. Es ist die Lehre hinüber zum Machthunger der „Alten44 im Volk und der abstrakten Wissenschaft gerückt worden (Mirgeler); es ist die echte Lehre gerade in der zeitlos-ewig sich vollstreckenden Gruppe gesucht worden (Heft III, S. 366); es ist die Jugend in ihrem heidnischen Lebensstil aufgeschreckt worden und gibt zur Antwort, daß gerade sie erst das christliche Liebesgebot des Augenblicks schrankenlos und gottgleich zu erfüllen wage (S. 361). Die Jungen haben sich angegriffen gefühlt. Das ist eine Tatsache. Da nützen keine Begriffe. Im Alter der sich verwundernden Vorschau kann man nur begreifen, indem man sich angegriffen fühlt. Sie greifen jedes Wort auf, um daran sich selbst und die Welt zum erstenmal zu begreifen. Ihr Wunsch, ins Leben zu treten, recht eigentlich erst „zur Welt zu kommen44, ist der Gedanken Vater. Sie denken ihre Wünsche in ihre Begriffe hinein. Der Ältere verfährt umgekehrt. Er denkt und deutet nachträglich seine Bekenntnisse und Erfahrungen in seine Wünsche hinein. Er muß 414