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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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an. Noch einmal fängt an der Peripherie der Prozeß der Selbstverwirklichung unter der höheren Norm und aus dem Materiale der Welt an, Noch ist nicht wieder die breite Zone normierter Welt, gestalteten Lebens dazwischen geschaltet, das aktuelle Leben grenzt unmittelbar an das Außen: autonomer Staat, voraussetzungslose Wissenschaft, individualistische Kunst, eigengesetzliche Wirtschaft bezeichnen uns die Außenpositionen. Aber es ist nicht nur eine weitere, es ist auch eine erdenfernere Ebene, auf der der neue Konzentrierungsgang anhebt. Es ist dem Menschen viel schwerer geworden, unmittelbar mit seinem natürlichen Leben in die Selbstgestaltung unter der Norm einzuleben. Wir sagen wohl: es ist ein Zerfall aller Formen, eine Atomisierung des Lebens, was wir sehen, ein Schwachwerden aller sonst formkräftigen Mächte, wir sagen von der Religion zumal, daß sie keine bezwingende Kraft mehr sei. Und wir werden Pessimisten, romantische Sehnsüchtlinge nach vergangenen glaubenskräftigeren Zeiten. Oder Eintagsoptimisten, die von religiösen Wellen oder Moden eine Rettung und Heilung erhoffen. Oder religiöse Praktiker, die dem Patienten, Religion mit Namen, oder Christentum, oder Protestantismus, Diagnose und Prognose stellen und Therapie \ erordnen. Vor alledem kann uns das Lebensgleichnis bewahren. Mag sein, daß es mit der Religion" vorbei ist - ich glaube es nicht, aus dem Lebensgleichnis heraus nicht mit dem Glauben ist es nicht vorbei, mit der Berufung der Menschen im Kommen des Gottesreichs, das in der Offenbarung begonnen hat. Gewiß, es ist heute schwerer, mit dem Glauben ernst zu machen, weil von Jahrhundert zu Jahrhundert das Wort gegenständlicher geworden ist: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Es sind vielleicht der Berufenen immer mehr, der Auserwählten immer weniger geworden. Aber ist das Reich Gottes darum wenigernahe herbei gekommen, gibt es in seinem Kommen ein Rascher oder Langsamer? Ich kann den nicht gläubig nennen, der seine Zeit schilt oder andere Zeiten lobt. Wer die Wirklichkeit nicht immer sieht, weil er glaubt, der .-ieht sie nirgends und glaubt nichts. Mit dem Glauben ernst machen, heißt doch jedenfalls nicht nur, sich in irgendwelche Dogmen und Gesetze schicken, es heißt auch: die Wirklichkeit seiner Zeit in seinem Selbst offenbaren und wissen, daß es die Wirklichkeit ist, weil Gott Gott ist. Das. glaube ich, kann das Gleichnis des organischen Lebens zum Gottesreich uns lehren. 408

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