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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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Römischen Rechtes war ein lebendiger Vorgang, war in jenem Prozeß der Einbeziehung und Verwandlung der Welt. Und ebenso verstehen wir es aus dem Gleichnis des Lebens, daß die mittelalterliche Kirche immer gestaltungsmächtiger, einformender gegenüber der Wirklichkeit der Welt wurde, daß sie das Leben der Menschen bis in die äußersten Außenpositionen normierte, organisch einte, und daß sie zugleich immer differenzierender in der Assimilation werden mußte, je mehr normierte Gestaltung zwischen dem Außen und dem lebendigen Kern eingeschaltet war. Sie mußte - wie das Gehirn im Organismus - mehr und mehr die Hauptmasse des andringenden Weltstoffes vernichten, um sich das ihrer Fortgestaltung Dienende auszuwählen. Dostojewskis Großinquisiturlegende ist richtig in der Beschreibung der lebenden Struktur, doch irrig in der Deutung, die sie ihr gibt. Es war keine widerchristliche Gestalt, die Berufenen sind nicht die Sklaven der Auserwählten, das, was wir das sekundäre, das normierte Leben nannten, ist von dem aktuellebendigen nicht vergewaltigt, sondern in der empfangenen Norm freigelassen. Es ist nicht wahr, daß die innerhalb der sichtbaren Kirche gläubigen, d. h. in ihrer Normprägung sich selbst verwirklichenden Menschen Gläubige zweiten Ranges, geknechtete Gewissen seien, daß sie minder beteiligt am Kommen des Reiches wären. Diese Wertung ist unser nicht würdig, und das lebendige Gleichnis widerlegt sie. Dankbar sollen wir sein, daß der Blick auf die Wirklichkeit uns das Leben überall wiederfinden läßt, daß in jener Wirklichkeit Wahrheit ist und in unserer. Denn nun gilt es, unsere überkühne Behauptung zu begründen, nun gilt es, den Konzentrierungsfortgang des aktuellen Lebens durch die Zeit hin weiter zu verfolgen. An der Schwelle der neuen Epoche steht die Antithese der sichtbaren und der unsichtbaren Kirche. Wir brauchen das Wort nur auszusprechen, um das Gleichnis unmittelbar aufleuchten zu lassen. Wir hatten ja auch im Organismus gesehen, wie das aktuelle Leben in seinem Konzentrierungsgange von der Gestaltung des Leibes fortgegangen war zur Verwirklichung der Seele. Wie der Prozeß der Einbeziehung der Welt in das Leben in der Artenentwicklung zum Menschen die Welt in immer größerer Breite ergriffen, sie immer tiefer verwandelt hatte, und wie im Unsichtbaren, im Geiste, dieser Prozeß seiner Vollendung zugeht, wenn er sie auch nie erreicht. Dieser neue Konzentrierungsgang im Unsichtbaren hebt auf einer ungeheuer viel breiteren Weltbasis 107

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