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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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dauerndes Leben offenbart, auch fortwirkendes Leben zum Ganzen hin ist, an dem fortgehenden Leben mitträgt, von dem es die Norm seiner Selbstgestaltung empfing. Und noch eins wissen wir aus dem geschaffenen Leben: daß die Selbstverwirklichung der empfangenen Norm in dem Materiale der Welt geschieht und nur hier. Unser Teilhaben an der Wirklichkeit Gottes ist einzig und allein das Empfangen der Norm, in der wir werden können, ohne nur zu vergehen, nicht mehr, nichts Substantielles; wir verwirklichen nicht Gott, wie eine Metaphysik, die besser Hypophysik hieße, uns einreden will. Wir bleiben in der Selbstbescheidung unseres Gleichnisses, wir versuchen auch keine nachschaffende Dogmatik, wir sehen nur auf die Wirklichkeit und finden das Leben wieder. Früher hatten wir gefragt, woher es wohl komme, daß es für den Menschen des Glaubens schwerer sei, mit der erkannten Wahrheit ernst zu machen, als für den Menschen der schönen Gestalt und den Mann der Pflicht. Jetzt bedenken wir, daß auch das Kommen des Gottesreichs jener zeitliche Vorgang der Konzentrierung des aktuellen Lebens ist, und fügen hinzu, daß jene Feststellung nicht für alle Zeiten gegolten hat. Wir wagen die kühne Behauptung, daß es für die Christen der ersten Jahrhunderte leichter war, sich vor die Löwen werfen zu lassen, als für Luther, sein „Ich kann nicht anders" wider Papst und Kaiser zu setzen, und daß es wiederum für Luther leichter war, sich auf die reine Lehre zu stellen, als es für den Christen von heute ist, sich zu der Gottessohnschaft Christi auch nur zu bekennen mit ganzem Herzen. Es ist wohl bedeutungsvoll, daß die ersten christlichen Jahrhunderte den Heiligenkalender füllten und daß schon in Dantes paradiso wenige Plätze der Heiligen mehr frei sind. Im Anfang war das aktuelle Leben der Ganzheit, die wir Reich Gottes nennen, noch der breite Strom, der alle Teile mitströmen ließ, wie im Anfang der Keimesentwicklung das räumliche Ganze noch aktuell lebt. Und wie im Anfang der leiblichen Formbildung die Außenwelt noch unmittelbar mitformendes Schicksal wird, so ging in den ersten Epochen der Geistesgestaltung des Christentums die damalige Welt in die werdende Gedanken- und Gemeinschaftsgestalt des corpus Christi mysticum ein. Es ist, wie mir scheint, nicht sehr tiefgründig gedacht, wenn man da von Eklektizismus spricht, wenn man meint, das Christentum aus dem aufgenommenen Weltbestand zu „erklären44. Auch die Rezeption der Aristotelischen Philosophie und des 406

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