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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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lebendigen Ganzen zu sein. In der ewigen Aktualität, dem ewigen Kommen des Reichs haben wir teil an der Ewigkeit, an der absoluten Gegenwart, sind wir die „von Gott angerufene Seele". Das ist, wie ich glaube, in der Lutherschen sola fides ebenso gesagt wie in dem Kalvinschen ,,allein Gott die Ehre", das ist die Unmittelbarkeit der Berufung jeder einzelnen Seele zu jeder Zeit, der ewige Augenblick in der Aktualität des Ganzen für das Leben des letzten Teils. Aber Glaube ist nicht nur eine Intensitätsbezeichnung, ist nicht nur Inbrunst, und die Seele ist nicht nur aktuelles Leben, sie ist die bewußte Seele, alles Bewußte ist Gewordenes. Auch die Seele wird in der Zeit, auch der Glaube glaubt aus der Zeit, er glaubt ja der Offenbarung. Es gibt beseelte Welt, und es gibt geglaubte Offenbarung. Das Gottesreich ist ewige Aktualität, aber es kommt, also kommt es in der Zeit, also gibt es auch in ihm das, was wir auf der anderen Gleichnisseite sekundäres Leben nannten, was so lange lebendig blieb, solange es notwendiger Dienst an dem fortgehenden aktuellen Leben war. Also gibt es auch im Kommen des Gottesreiches jenes konzentrische Weichen des aktuellen Lebens von außen nach innen, von der verwirklichten Norm oder - was ja dasselbe war - von der belebten Welt zu dem \och-nicht- Wirklichen, der Erlösung zu, dem ,,Gott alles in allem**. Und wie wir vorhin vom Leben sagten, daß es nicht wesensgemäß verschieden sei in den normierten Außenganzteilen und in dem aktuell fortlebenden Kern, so ist es kein wesensgemäß verschiedener Glaube, ob die Seele sich in der empfangenen Norm vollendet, oder ob in ihr das Kommen des Reiches fortgeht. So verstehe ich das Wort von den vielen Berufenen aber wenigen Auserwählten; andernfalls müßte es ja heißen: alle sind berufen. Und nun wenden wir den Blick der Wirklichkeit zu, die wir sehen in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Wir wissen ja, daß über die Idee des Gottesreichs die Menschen sich scheiden, die sich zur Offenbarung bekennen; sie scheiden sich nicht einfach nach den christlichen Konfessionen, sondern auch innerhalb ein und derselben Gemeinschaft. Wenn wir davon sprechen, so werten wir nicht, wie behaupten nicht zu wissen, welcher Mensch zu den Berufenen und welcher zu den Auserwählten gehört, wenigstecs nicht unter den Mitlebenden, denn allerdings ..an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen44. Aber wir glauben, daß alles das lebendig ist, was in gläubigen Menschen immer wieder neu seine Gestalt bewährt; und wir glauben, daß alles, was solcherart sein fort- 105

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