Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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liehen Welt. Wenn wir das Wort „wandeln" in seiner ganzen Sinnfiille nehmen, so entwandelt sich die Seele zu Welt, und die Welt wird verwandelt in Seele; und das ist das Leben der Seele, das Leben aus der Wirklichkeit der Welt in die Wirklichkeit des Geistes. Ist es schon das gläubige Leben? Nein. Wem der Mensch, wem die Idee der Humanität das Letzte ist, dem vollendet sich in dem Vorgang, den wir beschrieben, die Welt im Gang durch die Zeit, dem ist der Weltprozeß die totale Seibstverwirklichung des Menschen aus dem Material der Welt und damit die Verwandlung und in der Vollendung: die Erlösung der Welt. Wem die Idee der Humanität das Letzte ist, dem ist der Vorgang, den wir beschrieben, im einzelnen Menschen die Selbstverwirklichung der Seele aus dem Materiale der Welt und damit in der Vollendung: die Erlösung der Seele. Ist das die Wahrheit, ist das wirklich die Erlösung der Seele? Die Antwort des Glaubens kann nicht zweifelhaft sein, aber das Nein, das er antwortet, ist kein einfaches, radikales Nein, kein Nein, in dem nicht ein Ja enthalten wäre. Was wir beschrieben, ist nicht die Erlösung der Seele, aber es ist ein möglicher und darum auch wirklicher und darum auch gottgewollter Lebensvollzug, es ist auf dem Wege zur Erlösung. Nicht in dem einfachen Nacheinander einer gradlinigen Entwicklung, eines fröhlichen Fortschrittes, wohl aber in dem nun so vielfach beschriebenen Prozeß, der recht eigentlich der Vollzug des Gleichnisses ist, in dem Prozeß des aus der verwandelten Welt weichenden aktuellen Lebens. Und wir sind alle an diesem Prozeß beteiligt, mögen wir Kulturoptimisten sein oder Kulturkritiker, mögen wir der Humanitätsidee huldigen oder sie verwerfen. Wenn diese Betrachtung des organischen Lebens einen Sinn o o haben kann für ein tieferes Verstehen aller Lebenswirklichkeit überhaupt, so ist es der, uns die Zeit, die geschaffene Zeit ganz ernst nehmen zu lassen. Kein Glaube, keine religiöse Inbrunst und keine metaphysische Anstrengung bringt uns darum herum, daß unsere Lebendigkeit nichts ist als das Wirküchwerden in der Zeit. Wir sind nicht derselbige gestern wie heute und alle Tage. Wir geben Gott die Ehre, wenn wir die Zeit ernst nehmen. Aber es war doch und vor allem ein Nein, was der Glaube jener Humanitätsidee und ihrer Erlösung entgegensetzte; ist es nur das Nein des Bekenners, dessen, der die Offenbarung annimmt und also mit dem Nein nur 403