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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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wir noch einmal jenen konzentrischen Gang der Lebensaktualität, wie wir ihn bei der leiblichen Entwicklung fanden. Auch hier wird die Welt mehr und mehr dem Individuum einbezogen, eingestaltet, oder - wie wir auch sagten - dringt die Welt von außen nach innen vor, um so vermittelter, eigengestalteter, je mehr individualisierte Welt schon da ist, zwischen dem Außen und dem innersten Innen schon eingeschaltet wurde. Auch hier wird das Normierte, das, was man sich zu eigen gemacht hat, das Erlernte gewissermaßen „freigelassen", es lebt ohne Aktualität, oder - wie wir hier sagen - es funktioniert ohne Bewußtseinsaufwendung. Am deutlichsten zeigen das erlernte körperliche Fähigkeiten, von dem Stehen, Gehen, Sprechen des Kindes an zu allem Technischen in der Kunst. Das Bewußtsein ist frei geworden von der Hinwendung zu diesen Leistungen, frei zum Innern, dem diese Leistungen nur mehr Wirkungsmittel zwischen Außenwelt und Individuum geworden sind, das aktuelle Leben ist aus ihnen gewichen. Aber auch wo keine Handlung, keine Empfindung das wirklich äußere Ende oder Anfang der seelischen Kette darstellt, im rein geistigen Vorgang ist die Tatsache der normierten, selbstgewordenen seelischen Außenpositionen, aus denen das aktuelle Leben sich zurückgezogen hat, bedeutungsvoll. Man spricht von intuitivem Denken, von einem unmittelbaren Erfassen der Wirklichkeit, von einem Uberspringen der Zwischenglieder im Akt des produktiven Gedankens. Wo das nicht eine Phrase, eine Entschuldigung für Halbgedachtes ist, da Hegt ihm auch dieser Tatbestand zugrunde, daß das Gewordene - ohne Aktualität, ohne Bewußtsein Fortlebende - dem Werdenden, Aktuellen, Bewußten dient. Das ist nicht ein reiner Analogieschluß, wir können in der gehirnphysiologischen Analyse die werdende, bewußte Gestaltung von der gewordenen, normierten an ihren funktionellen Symptomen unterscheiden. Was ist es nun mit dem Werden der geistigen Gestalt, mit dem Leben der Seele in diesem fortgehenden Prozeß des Ubergangs von aktuellem in normtragendes Leben? Dieses weichende aktuelle Leben ist ja das eigentliche Ich, der Kern der Persönlichkeit, die Ganzheit in letzter, gegenwärtiger Realität. Ihr geschieht also eine steigende Hingabe des Lebens an die Welt und Uberwindung der Welt durch das Leben in einem Geschehen. Die Welt dringt immer mehr vor gegen den Kern der Seele, aber zugleich entfernt sich der Kern der Seele immer mehr von der wirk« 402

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