Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 33

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2823768-2823781-2823786--0407-2824478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

hört es nicht auf zu leben, d. h. immer wieder zu werden. Was ist denn dieser Dienst? Im Hinblick auf den Organismus und seine Organe sagten wir es schon: es ist die Vermittlung zwischen der Außenwelt und dem Innern, zwischen der seienden Wirklichkeit und der noch werdenden. Im Hinblick auf das Individuum und die Welt ist es der Dienst an der wachsenden Weltwirklichkeit des Individuums und der zunehmenden Individualisierung der Welt. Es ist weder für das Leben des natürlichen Organismus noch für das der höheren Einheiten wahr, daß das Leben aus den in sich vollendeten Bildungen gewichen sei, die nur mehr indirekt an dem, was wir aktuelles Leben nannten, teilhaben. Wie entscheidend diese Feststellung ist, für die Theorie des materiellen Lebens sowohl wie für die Sinnerfülltheit des eigenen Daseins, das ist leicht zu sehen. Wir wollen es erst im kreatürlichen Leben begründen und dann die Folgerungen im Gleichnisvollzuge betrachten. Ist im Organismus das von uns „aktuell" genannte Leben wesensgemäß etwas anderes als das Leben überhaupt? Mit anderen Worten: sind die Vorgänge, die der Lebenderhaltung der schon voll entwickelten Form dienen, andersartig als die, welche die Form fortbilden? Und w eiter: wo sehen wir denn im Organismus des ausgewachsenen Tieres oder Menschen noch Fortbildung der Form? Die Fragen sind ein Thema für ausgedehnteste Variation; wir müssen uns mit andeutenden Antworten begnügen. Nichts spricht dafür, daß die tragenden stofflichen Prozesse in den beiden Arten von Leben, die wir unterschieden, wesensgemäß verschieden wären; alles spricht für das Gegenteil. Es ist überall der - stoß lieh mannigfaltig geartete — Ubergang von ungeformter zu formtragender Materie, physiologisch benannt: die Assimilation. Zweifellos gibt es quantitative Abstufungen in der Intensität der Assimilationsprozesse der verschiedenen Gewebe und Organe, aber keineswegs einfach nach Maßgabe der Aktualität, der Neubildung oder Wiederbildung der Gestaltung. Ein großer Teil der in unserer Einteilung sekundär lebenden Gewebe bleibt zudem, auch nachdem die äußere Form vollendet ist, dauernd sichtbare Form bildend, alle diejenigen nämlich, die in der Zellvermehrung verharren, nur mit dem Unterschied gegen die Entwicklungsepoche, daß die neugebildeten Zellen zugrundegehende ersetzen, daß immerfort gewordene, abgelaufene Zellteile oder Zellen abgestoßen und eingeschmolzen 399

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.