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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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keit, wie der besonderen lebenden Ganzheit; in ihrem zeitliehen Ablauf ist sie die Einbeziehung der Welt in das Individuum, oder des Individuums fortschreitende Selbstverwirklichung im Material der Welt. Von diesem fortschreitenden Prozeß aber sagten wir, daß er ein allmähliches Zurückweichen des aktuellen Lebens von außen nach innen, man kann ebensogut sagen: ein allmähliches Vordringen der Welt gegen das Innere des Individuums, der lebenden Ganzheit sei. Dabei behalten wir gut im Auge, was wir als ..aktuelles Leben" bezeichneten; es ist das, was gemeiniglich das „schöpferische Leben" genannt wird; was man meint, wenn gesagt wird, das Leben sei aus einer Institution, einem Stil, einer Bewegung gewichen, was wir als den Gestaltungs/ortgang erkannten. - Daß wir mit dieser Antwort auf die Frage nach dem Gange der Aktualität im Ablauf des Lebens etwas ausgesagt haben, das als Geschehen von dem Leben in allen Erscheinungsformen gilt, das wird kaum bestritten werden. Heute weniger denn je, wo „Leben" als die Parole gegenüber dem Anspruch aller gewordenen, wie man sagt: erstarrten Wesenheiten gilt, seien es politische, religiöse, künstlerische oder was sonst. Aber daß dieser Vorgang der „Erstarrung", der „Dogmatisierung", der „Verweltlichung" ein notwendiger sei, daß er auf dem Wege des Lebens liege, des individuellen, wie des der höheren Ganzheiten, daß das aktuelle Leben immer jenseits dieser in ihrer Norm vollendeten Wesenheiten liege, nicht um sie herumgehe, das wird nicht erkannt, obwohl es die gläubigen Menschen zu allen Zeiten gewußt haben. Gewiß gibt es den Tod, es gibt Leichen auf allen Bereichen des Lebens, aber solange eine in ihrer Norm vollendete Lebensformung an einer höheren, noch aktuell lebendigen Ganzheit teilhat, solange wirklich konzentrisch zu ihr noch aktuelles Leben fortgeht, solange wird sie auch immer wieder in der Zeit verwirklicht, bleibt sie am Leben. Das besagt natürlich nicht, daß alle Arten von Lebewesen, die einmal Glied in der Kette der Entwicklung waren, in der Generationenfolge durch die Zeit erhalten blieben. Schon vor dem Erscheinen des Menschen sind zahllose Arten zugrunde gegangen, und in nicht so ferner Zukunft wird es nur noch Tiere und Pflanzen nach dem Willen des Menschen geben. Auch in der Individualentwicklung werden Organe gebildet, die nur Glied in der Kette sind und wieder verschwinden. Nicht alle einmal durchlaufenen Lebensstrecken werden immer wieder durchlaufen, sondern wo das lebend Gewordene dem werdenden Leben noch dient, da 398

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