Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht erliegen, heißt glauben, heißt durch alles Denkbare hindurch dem Noch-nicht-denkbaren zuleben oder dort hineingelebt werden. Alle jene Gedanken sind ja nicht ohne innere Notwendigkeit gedacht, sind nicht falsch, so wenig, wie das überpflanzte Bein am Kopf des Frosches in sich falsch wäre, wTeil es an dieser Stelle die vom Ganzen empfangene Norm, die es doch verwirklicht, verleugnet. Gerade in dieser Verleugnung offenbart es die Norm am sichtbarlichsten, gerade der autonom gewordene Teil bewährt die Ganzheit, der er trotzt. Mir ist die Erzählung vom Kainszeichen immer die grandioseste Alles-in-Einem-Erfassung des Lebens gewesen. „Dezentralisation und Konzentration." - Wir hatten die Aktualität des Lebens in dem Geschehen von Unform zu Form, in dem Ubergang von ungeformter zu formtragender Materie gefunden; wo ist die Aktualität des lebenden Ganzen? Sind in diesem Sinne alle Teile gleich lebendig, oder gibt es Teile erhöhter Aktualität, eine Zentralregion etwa höchster, eigentlicher Ganzheitsvitalität? Oder ist der zeitliehe Ablauf des Lebens zugleich ein Wechsel der Aktualität von Teil zu Teil oder von Bereich zu Bereich? Diesen Fragen gegenüber gibt uns der wissenschaftliche Erfahrungsbestand noch nicht die Sicherheit zu einer einfachen Antwort, auch die Forschungsergebnisse sind ja nicht unabhängig von der jeweils herrschenden Theorie. Aber da wir überzeugt sind, das Gleichnis nach beiden Seiten vollziehen zu sollen - credo, ut intelligam -, so wollen wir die Antwort geben und sie ohne Scheu vor Hypothesen auch im kreatürliehen begründen. Wir sagen also: die Aktualität des Lebens in der Ganzheit weicht von den Bezirken, die ihre Norm empfangen haben und mit ihr freigelassen sind, zurück, sie konzentriert sich von außen nach innen. Daß „Außen66 ist in dieser Formulierung nicht nur räumlich gemeint; ein Bereich, ein Teil des Ganzen ist umsomehr außen, je unmittelbarer er mit der Außenwelt in Beziehung steht, umsomehr innen, je \ ermittelter die Umweltdinge auf ihn einwirken und von ihm Wirkung empfangen. In diesem systematischen Sinne sind also diejenigen Teile und Organsysteme die periphersten, die als die Lmschlagstellen zwischen Außen und Innen dienen, bei ihnen ist auch die Funktion am unmittelbarsten verständlich, weil in Form oder Vorgang den Bedingungen der Außenwelt direkt entsprechend. Das gilt von den Extremitäten z. B.„ wie vom Skelettsystem, von den Verdauungs- und Atmungs-, wie von den Sinnesorganen. Ihre Bildung ist daher ebensowohl Ausdruck der \\ eltwirklichst