Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2823768-2823781-2823786--0403-2824474- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
blieben sein. Die Entwicklungslinien der beiden Gewebsarten, des induzierenden und des induzierten, sind völlig verschieden, es ist nicht so, daß die eine an die andere ansetzte, ihre Resultate zum Ausgang nähme. Sondern ohne äußerlich erkennbare funktionelle Abhängigkeit ist ein gewisser Reifungsgrad des einen Ablaufs zugleich der Anreger eines andern, einerlei ob an der teleologisch richtigen Stelle und in ihrem Material oder - im Experiment - an einer absolut fremden, deren Stoff aus keiner begreifbaren Zweckmäßigkeit heraus die Fähigkeit, jene Anregung aufzunehmen, auch besitzt. x4ber auch das Umgekehrte kommt vor. Während in dem beschriebenen Versuch das überpflanzte Stück seine neue Umgebung unter seinen bestimmenden Einfluß zwang, kann in anderen Fällen die neue Umgebung ein eingepflanztes Stück anderer Keimregion seines dortigen Charakters entkleiden und dem neuen Milieu angleichen. Die Mannigfaltigkeit ist groß, man ist von einer ins einzelne gehenden Analyse noch weit entfernt; was aber immer deutlicher hervortritt, ist die entscheidende Bedeutung des zeitlichen Faktors. Der Entwicklungsablauf ist eine Abfolge von Normierungen der verschiedenen Keimbezirke, nicht von einer übergeordneten materiellen oder immateriellen Zentralstelle aus, sondern vielmehr in Wechselbeziehung der Teile untereinander, indem die eine Entwicklungslinie das Zeitorgan für die andere darstellt. Aufs Ganze gesehen ist er zugleich ein exzentrischer Vorgang, eine Dezentralisation und eine Konzentration, eine immer enger werdende Schieksalsbindung, wachsende Abhängigkeit der Teile vom Ganzen und untereinander, bis das Entwicklungsresultat, der harmonisch funktionierende Organismus als anscheinend stationäre, eigentliche Wirklichkeit des Lebens erscheint. Worin besteht die Dezentrahsation? Darin daß die ursprünglich räumlich vereinten, zeitlich gleichlaufenden Entwicklungslinien auscinandertreten. Daß sie zunächst vereint waren, das lehren die Experimente der ersten Stadien mit ihren mehrfachen Ganzbildungen nach der Trennung ™ ~ der Zellen. Dann folgt das Spiel der Induktionen und Diflferenzierungsantritte, für deren Anfang und Ende keine für das Ganze gültigen Zeitpunkte im Ablauf anzugeben sind. Ist ein Keimteil endgültig normiert, so ist er gewissermaßen aus der Vormundschaft entlassen, selbständig geworden, seine weitere Selbstausgestaltung läuft ab, unabhängig davon, was gleichzeitig in dem Ganzen geschieht. Verpflanzt man z. B. eine 3<T>