Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2823768-2823781-2823786--0402-2824473
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

schafft; und wir hatten erschlossen, daß die letzten, tragenden Vorgänge, in denen das Leben seine aktuelle Gegenwart hat, Abläufe sein müssen, Ubergang von ungeformter zu formtragender Materie. Wir hatten - um der leichteren Verständlichkeit willen mehr in der Ausdeutung als im fachlichen Erweis - dargelegt, wie auch das Leben im Ubergang von Sphäre zu Sphäre, von der unteren zur höheren Ganzheit solch ein Geschehen von Unform zu Form sein muß. Wir sahen schon im letzten, höchsten möglichen Gleichnisvollzug, daß ewiges Leben Teilhaben am ewigen Werden eines höheren Ganzen bedeuten muß, daß das geschaffene Leben nach oben zu offen sein muß, daß die Tatsache Mensch - die uns eines Denkens ist mit der Tatsache Offenbarung - daß sie dieses „offene Leben" bezeichnet, daß sie gleichsinnig ist mit der Freiheit des Menschen im Gegensatz zu Pflanze und Tier. Wir hatten dann gefragt, wie sich das Werden der Schicksalsgemeinschaft und ihre Rückwirkung auf die Teile vollzieht. Wenn die Entwicklung des Keimes weiter vorgerückt ist, das Ganze schon aus sehr zahlreichen, aber noch äußerlich gleichförmigen Zellen besteht und die ersten Anfänge einer Gesamtausgestaltung sichtbar werden, dann sind bereits bestimmte Bezirke als Bildungsstätten spezieller Organe und Gewebe eindeutig festgelegt. Aber es ist nicht einfach die räumliche Verteilung, die den Gestaltungsplan des künftigen Gebildes auf den Stoff projiziert. Es gibt Zellgruppen, bestimmte Bezirke, die neben ihrer eigenen Bildungsbestimmung noch die Aufgabe empfangen haben, anderen Teilregionen deren besonderes Bildungsschicksal zu vermitteln. So veranlassen Zellen eines Keimteiles, aus dem selbst Organe der vegetativen Systeme hervorgehen, ihnen benachbarte Teile zur Anlage des Nervensystems zu werden. Entfernt man sie, so bleibt auch diese Anlage aus, verpflanzt man Zellen daraus in andere Gegenden, so entwickelt sich dort inmitten ganz anderer Gewebe ein Stück Nervenanlage. In diesem Falle sehen wir ganz deutlieh, wie die Formbestimmung der Teile vom Raum auf den Stoff übergeht, es ist nicht mehr die Lageverteilung, die in der entstehenden Gestalt zum Ereignis wird; sondern von innen her, aus der abgelaufenen Zeit werden die Teile einander formbedingend. Hätte man die gleiche Zellmasse vielleicht einen Tag früher einem andern Keim eingepflanzt, so würde sie den induzierenden Einfluß nicht ausgeübt haben, und wäre der empfangende Keim zu jung oder zu alt. so würde die an sich wirksame Substanz ebenfalls wirkungslos ge- 394

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.