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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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weltliche Seelenarzt vermitteln. Aber diese Einheiten sind nicht die letzten; wo sie es einer Seele werden, da gilt wiederum, daß sie ihren Lohn dahin hat. Da wird der Mensch zum reinen Träger der Norm dieses Ganzen, zum Hausvater, Pflichtmenschen, Patrioten. Das ist nicht wider das geschaffene Leben, das ist keine Krankheit, kein Mißwuchs der Seele, so kann man leben, sinnvoll leben, d. h. wirkend und aus dem Wirken Gestalt empfangend. Aber auch wenn wir es nicht aus dem Glauben, aus dem cor inquietum wüßten, das geschaffene Leben vor der Offenbarung kann es uns lehren, daß diese gesunde Seele nicht wahrhaft die Seele des Menschen als Menschen ist. Die sozial lebenden Insekten, die Bienen und Ameisen, leben uns die organisierte Gemeinschaft in einer Vollkommenheit vor, wie sie noch kein Staat, keine Gemeinschaft der Menschen je annähernd verwirklicht hätte. Da ist aber auch das Individuum restlos Träger der Norm der übergeordneten Einheit geworden, stofflich wird der Larve schon ihre Bestimmung von der Gemeinschaft aus zudiktiert, ob sie zum Träger der Aktualität oder der Kontinuität des Lebens werden soll, ob Arbeitsbiene oder Königin. Wir sprechen von sozialen Instinkten bei diesen Tieren; Instinkt heißt Stoff gewordene, völlig ausgeprägte Norm eines Lebensganzen. Wir sprechen davon, daß ein Mensch instinktiv das Richtige tut, sprechen von politischem Instinkt — niemand wird von religiösem Instinkt sprechen. Eine soziale Organisation ist umso vollkommener, je mehr die einzelnen Träger gleicher Norm untereinander vertretbar sind; da geht nichts über den Bienenstaat. Man kann wohl auch sagen, daß ein Menschenstaat umso mächtiger, diesseitskräftiger ist, je mehr politischen Instinkt sein Volk hat; ob das eine wünschenswerte Gabe sei, ist eine andere Frage. Es kommt darauf an, ob die Menschen dieses Volkes so reich an Leben sind, daß sie noch in den Raum jenseits der politischen Gestaltung hinein leben können. Das ist ja das Ungeheuer-andere des religiösen, des Lebens im Gottesreich, daß der einzelne Mensch, so wie er ist, in seiner Besonderung notwendig und unvertretbar sein soll. In der Liebe gibt es kein Amt, keine Stellvertretung, und Gott offenbart dem Menschen, daß er ihn hebt, er ruft ihn bei seinem Namen an. Wir hatten das organische Leben als werdende, wachsende Schicksals - gemeinschaft, gewirkt durch die Teile zum Ganzen, erkannt; wir hatten gesehen, wie dieses Schicksalsganze den Teilen wiederum erfüllte Zeit 393

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