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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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eines der Schicksalsmomente die räumliche Besonderheit, das Lageverhältnis der Keimteile zueinander ist, das den Entwicklungsgang in den Teillinien bestimmt. Die einfache Tatsache der Nachbarschaft, selbst der toten Schwesterzelle genügt, um die andre Zelle des Zweierstadiums zum Halbtier auswachsen zu lassen. Im Stoffe ist zu dieser Zeit die potentielle Ganzbildung noch ebensowohl vorhanden, wie die Halbbildung. Zwischen beiden Möglichkeiten entscheidet lediglich die Raumtatsache ..Isolation oder Angrenzung", entscheidet also rein äußeres Schicksal; das Ereignis setzt sich ganz unmittelbar in Gestalt um, die Zweiteilung von Raum und Stoff bewirkt Verdoppelung der Ganzheit. Das ist nur zu verstehen, wenn jetzt - im Gegensatz zu später - noch keine Schicksalsverbundenheit der Teile existiert, wenn noch nichts geschehen ist. was ein gemeinsames Schicksal real verkörpert. Denn wenn das schon vorhanden wäre, so würde das äußere Ereignis sich nicht so unmittelbar auswirken. Es gilt allgemein - und zwar scheint mir das ein Hauptgesetz organischen Lebens zu sein - es gilt, daß das Ereignis, die Außenwelt im weitesten Sinne, umso verwandelter, mittelbarer als Innenschicksal innerhalb des belebten Bereiches erscheint, je mehr erfüllte Zeit, selbstgewirkte Schicksalsgemeinschaft die lebende Einheit darstellt. Um das zu verdeutlichen, wollen wir es zunächst im seelischen Leben und im Leben der höheren Einheiten aufzeigen. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Welt auch von der Basis der allerverrücktesten Wahnidee aus erfahrbar ist. Der Paranoiker, der sich für Christus hält, erlebt jedes Ereignis, das ihm begegnet, so, daß es sich seinem System einfügt, daß es ihn in seiner Überzeugung bestärkt. Und was der Geisteskranke in der Karikatur darstellt, das bewährt jeder Mensch, vom Genie bis zum beschränktesten Bierbankphilister, in seiner seelischen Weltbeantwortung. Bekanntlich hat man auch diese Wahrheit neuerdings am Schwänze aufgezäumt. Die Philosophie des „Als ob" und die Psychologie der Individualfiktionen läßt wieder den Menschen einen Schöpfer, einen geistigen Selbstversorger sein, freilich auf Kosten der Wirklichkeit und zum eigenen Unheil. Ich möchte fast behaupten, daß jener Kranke der Wahrheit näher kommt, als diese Gesunden. Für den OfFenbarungsgläubigen ist die Erkenntnis der Wirklichkeit mitgegeben in der Gnade, die von ihm aus gesehen Glaube heißt und ihm ein Leben der wahrhaftigen Selbstverwirklichung aus dem Materiale der Welt ermöglicht. Der Glaube 390

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