Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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ewige Aktualität in dem ewigen Werden, Vollendung in der Ewigkeit. Um Luthers Wort zu gebrauchen: die von Gott angerufene Seele. Es gibt ja natürlich auch das Glied-in-der-Kette-sein, die Entwicklung des geschaffenen Lebens zu dem gläubigen, Offenbarung-empfangenden hin, die „natürliche Schöpfungsgeschichte", „natürlich" freilich in anderem Sinne, als Haeckel es meinte; im Sinne des Pauluswortes von der Kreatur, die nach der Erlösung seufzt. In dem Beispiel von der geschlossenen Bakterienkultur war deutlich geworden, wie die auf die Teillebensträger rückwirkende Ganzheit durch das Zusammenwirken dieser Teillebensvorgänge selbst mit einem von ihnen aus gesehen äußeren Schicksalsmoment - dem geschlossenen Kulturraum - entstand. In diesem Falle war das äußere Moment Menschenwerk, aber grundsätzlich das gleiche ist das Leben des Bakteriums im Organismus des erkrankten Menschen. Auch hier entsteht eine neue Ganzheit, eben der erkrankte Organismus, und wenn auch seine räumlichsichtbare Erscheinung nicht als ein eigentümlich neuer Ganzheitstvp wirkt, so doch in vielen Fällen die zeitliche Lebensgestalt. Die alte Medizin hat die Krankheiten als Wesenheiten sui generis, als Quasiorganismen aufgefaßt, und der typische Ablauf, die zeitliche Gestalt etwa eines Typhus oder einer Lungenentzündung läßt diesen ..Aberglauben" nicht so sinnlos erscheinen, wie man lange Zeit meinte. Es wird uns nun auch begreiflich erscheinen, daß der Körper auch ohne stofflich nachweisbare Immunität genesen kann: die neue Ganzheit war dem einen Konstituenten, dem Bakterium, eher zum vollendenden Schicksal geworden als dem andern, den Körperelementen. Aber wir sagten es schon: von der geschlossenen Kulturganzheit aus geht noch keine formende Wirkung auf das Bakterium zurück. Hätten diese Wesen Bewußtsein, so könnte darin die Ganzheit nur als ein gemeinsames Verhängnis erscheinen, allenfalls mit der Erkenntnis, daß es selbstgewirktes Schicksal ist. Nicht mehr; aber mehr ist diese Ganzheit ja auch nicht, im Lebensgleichnis hat sie nur die eine Konstituente organischer Ganzheit paradigmatisch zu zeigen: die selbstgewirkt-wachsende Schicksalsgemeinschaft. Lud wenn wir nun endlich zum organischen Leben im eigentlichen Sinne kommen, so sehen wir an dessen zeitlich unterer Grenze das gleiche. Der Entwicklungsbeginn des befruchteten Eies ist zunächst ein äußeres, räumliches Entstehen von Teilen in einem bisher ungeteilten Ganzen. Die Eizelle 387