Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2823768-2823781-2823786--0394-2824465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Welt gesetzten göttlichen Funken, aus dem das Leben in unendlicher Bildung auflodert, die andere von den Ideen, den Gedanken Gottes, die sich in der werdenden Wirklichkeit unausschöpfbar offenbaren. Der Glaube aber läßt die Problematik bestehen, ihm ist der Drang immer erneute und darum ewige Schöpfungstat Gottes, die Gestaltenfülle immerfort werdende und darin ewige Offenbarung Gottes, aber er kennt ein Drittes: die Erlösung als einmalige Tat Gottes mit Anfang und Ende. Der kausalen und finalen Lebensschau stellt er die eschatologische gegenüber. Er löst die Problematik nicht wie die beiden andern Lebensversuche durch Rückführung der einen Seite auf die andre, sondern durch ihr Weiterreichen von Sphäre zu Sphäre, bis sie, und damit das Leben, heimkehrt in Gott, bis er die Erlösung vollendet. Dieses Weiterreichen aber, als Denken des Menschen, ist der Gleichnisvollzug von Sphäre zu Sphäre bis zu der letzten, an der Menschengedanken teilhaben, weil der Mensch sie mitlebt, bis zum Reiche Gottes. Aber hier wieder, wie schon mehrfach, sei es gesagt: dieses Weiterreichen der Problematik, dieser Gleichnisvollzug schließt in sich, daß alles Vergängliche im Gleichnis sei, daß nichts außerhalb bleibe. Der Glaube erklärt darum nicht jene anderen Lebenstheorien für falsch, jene Lebensversuche für unvollziehbar. Im Gegenteil: dieses Weiterreichen vollzieht sich ja grade darin, daß sich das Leben in der einen Sphäre vollendet hat, in der empfangenen Norm ausgeprägt ist und diese bewahrt. In diesem Sinne verstehen wir den berühmten Hegeischen Satz, daß alles Vernünftige wirklich sei, so nämlich, daß alles Vernünftige wirklich uird. daß es denkbar wird, wenn es sich in seiner lebendigen Teilhaftigkeit offenbart, wenn es geprägte Norm geworden ist. Damit haben wir zwei Gesichtspunkte gewonnen, die uns zum Verständnis der Problematik des organischen Lebens in Werden und Bewahren dienen sollen: daß das Leben weitergeht und daß es verharrt. Daß es bewahrt und um so mehr nur bewahrt, je mehr es Normträger seiner nächsten, selbstgewirkten Ganzheit geworden ist. Daß es weitergeht, um so länger weitergeht, je mehr es über die nächste Ganzheit hinaus teilhat an einer höheren, werdenden Ganzheit. Daß also alle selbstvollendete Gestalt - nicht wider das Leben ist, aber „ihren Lohn dahin hat". Daß Ewiges Leben Teilhaben an einem unendlichen Werden heißt. Dieses Teilhaben ist nicht ein Glied-in-der-Kette-sein, sondern wirkliche 380

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.