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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Natur und Geist faktisch ist. Im Menschen wird Leben sein selbst bewußt, und dieses Selbstbewußtsein heißt in der Sprache des Glaubens Sündenbewußtsein, Erlösungsnot, also Gefühl der Geschöpflichkeit. Wäre, wie jedem Lebensträger, so doch dem Menschen zumal, sein Telos ganz eigentlich zugeordnet, seinem individuellen Leben verhaftet, so müßte das Selbstbewußtsein anders aussehen, vom Teil eines höheren Ganzen könnte nichts darin sein; statt eines mündenden müßte ein in sich kreisendes Leben sein selbst bewußt werden. Ich behaupte nicht, daß dieses Selbstbewußtwerden ein Irrtum wäre, daß ihm keine lebendige irklichkeit entspräche - wir werden später am Leben des Organismus auch ihr begegnen - aber Glaube ist es nicht, und es gibt doch ungläubiges Leben, Leben, an dem die Offenbarung sich negativ, gleichsam in der Konkavität erweist, in der biblischen Sprache gesprochen: es gibt von Gott verstockte Herzen. - Ich behaupte darum auch nicht, daß jene vitalistische Lebenstheorie, die dem einzelnen Lebensträger seine Norm genuin zugeteilt sein läßt, einfach falsch sei; aber sie macht vor der eigentlichen Frage halt, sie fragt nicht, woher dem Individuum seine Norm kommt, sie sieht nicht, daß das Individuum nicht Normträger ist, sondern Normträger wird. Und damit sind wir wieder bei der Frage nach der unteren Grenze des „organischen" Lebens, bei der Frage, ob es Leben gibt, das dem untersten Ganzen voransteht, selbst noch nicht gewirkte Einheit ist. Der Frage also, die mechanistisch mit dem lebenden Molekül, vitalistisch mit der begeisteten Materie beantwortet wurde. Das Problem ist nicht nur von biologischem Spezialinteresse, es wird für jede Lebensauffassung von großer Bedeutung sein, ob das natürliche Leben aus den untersten, letzten Teilvorgängen heraus zu verstehen ist, in Eigentümlichkeiten eben dieser Teilprozesse entsteht, schon ,,da ist44, bevor - nicht zeitlich vielleicht, aber logisch - ein Ganzes gewirkt ist, das wiederum rückwärts bedingend die Summe der Prozesse erst zu Leben machte. Aber haben wir die Frage nicht bereits negativ entscheiden zu sollen gemeint? Wir fanden weder in der Zelle, noch in kleineren Formelementen ein ungeteilteinheitliches Letztes des Lebens, wir lehnten das hypothetische lebende Molekül wie den geistig-stofflichen Elementarkomplex ab, bleibt da noch eine Möglichkeit zu diskutieren? Ich glaube wohl, es bleibt eine und nur eine. Erinnern wir uns, was die Ganzheit zum aktualisierenden Prinzip machte. Es ist nicht eine räumlich-beständige Konfiguration, eine Appa- 379

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