Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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ratur - mit dem Erweis der Unzulänglichkeit dieser mechanistischen Annahme brauchen wir uns nicht mehr aufzuhalten. Es kann auch kein vitalistisches Apriori des Lebens sein, eine übermaterielle Präexistenz der materiellen Wirklichkeit des Individuums. Beide Annahmen vernachlässigen das zeitliehe Moment, verleugnen die Tatsache, die uns schon das Beispiel des reifenden Eies demonstrierte, daß die erfüllte Zeit das offenbare Geheimnis" ist, das wir Leben nennen. Was befähigt die Ganzheit, zur Zeiterfüllung ihrer Teile zu werden? Offenbar dies: die Teillebensvorgänge müssen ein Moment in sich tragen, das ihnen allen ein gemeinsames Schicksal wirkt. Es muß etwas Zeitliches, ein Geschehen sein, das dieses Schicksal wirkt, und die Macht dieses gemeinsamen Schicksals muß in der Zeit, mit dem Fortgang des Lebens wachsen. Bis es sich vollendet, im unmittelbaren Wortsinne vollendet, bis es unentrinnbar wird. Unentrinnbar aber ist nur der Tod. Das gilt es nun in der empirischen Wirklichkeit aufzuzeigen, und damit stehen wir wiederum am Beginn unserer eigentlichen Aufgabe: die natürliche Seite des Gleichnisses so deutlich zu machen, daß der Gleichnisvollzug uns zur Selbstbewußtwerdung des Lebens im tiefsten Sinne, des Glaubens wird. Wir gehen zunächst von jener mehrfach genannten untersten Grenze des Lebens aus und verschieben die Antwort, die wir dort schuldig blieben, noch ein wenig. Wir gehen im Reiche des Lebens aufwärts bis zu den einfachsten Vertretern geformten Lebens, den Bakterien. Bekanntlich sind das mikroskopisch eben noch sichtbare kuglige oder zylindrische Gebilde, deren hervorstechendste Lebensäußerung ihre außerordentliche Verniehruiigsfähigkeit ist. Das ist ja ein Hauptfaktor in ihrer Gefährlichkeit al- Krankheitserreger, daß von einem einzigen Exemplar aus in kurzer Zeit Millionen entstehen können. Wie kommt es, daß sie trotzdem nicht in allen Fällen die Sieger im Kampfe mit dem befallenen Organismus sind, daß wir von den meisten Infektionen genesen? Auch der Laie wird heute eine Antwort geben können: der Körper bekämpft den Erreger mit Waffen, die ihm die Krankheit selbst liefert. Die Elemente der Iinmunitätslehre sind ja allbekannt. Aber es gibt Affektionen, die keine Immunität, keine Bildung von Schutzstoffen hervorrufen, das sind sogar die häufigsten, und auch von diesen genesen die meisten Kranken. Da ist wohl ein Moment das wirksamste, das was der Arzt die Lokalisation 380