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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Zelle ebenfalls ein aus vielerlei Teilgeschehen zusammengewirktes Ganze darstellt. Ist es nun wirklich nicht möglich, zu einer wahren lebenden Einheit zu gelangen, in der Zelle schließlich auf das unterste lebende Etwas zu stoßen, in dem sich also keine Lebenslinien mehr vereinigen, sondern von dem aus nur der Pfeil auf die höhere Ganzheit weist? Die mechanistische Biologie hat ein solches räumlich-stofflich definiertes Lebenseines postuliert, zeitweilig auch in bestimmten, mikroskopisch sichtbaren Gebilden aufzuweisen geglaubt; man hat von einem lebenden Molekül gesprochen, das zwar nicht unveränderlich, aber doch um eine Gleichgewichtslage hin und her pendelnd den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht abgeben sollte. Und neuerdings haben bewußt vitalistisch eingestellte Denker diesem, bei ihnen stofflich beliebig mannigfaltigen Teilchen, ein geistiges Häkchen angehängt, um es lebendig zu machen. — Die Hypothese des lebenden Moleküls im mechanistischen Sinne hat sich weder stützen lassen aus der Analyse der Lebensvorgänge, noch hat sie sich für die Forschung irgendwie fruchtbar erwiesen. Das geistbehaftete Stoffteilchen ist der naturwissenschaftlichen Diskussion entrückt; wem Geist als Akzidenz der Materie, aufgeteilt auf ihre letzten Einheiten, etwas sagt, der mag sich damit beruhigen. Mir scheint diese wie jede atomisierte Teleologie, jeder Vitaüsmus, der den einzelnen Lebewesen - oder gar ihren Stoffbestandteilen - Entelechieen, geistige Sonderwesenheiten oder sonstwie beschriebene übermaterielle, aber individuell zugeordnete Lebenswirker zuerteilt, mir scheint jede solche Lebenstheorie gegen beide Seiten des Gleichnisses blind zu sein. Wenn in dem Analogieschluß von dem Geschöpf auf den Schöpfer selbst Gott physiziert wurde, so wird hier die Materie metaphysiziert. Beide Denkungsarten sind gleicherweise dem Offenbarungsglauben entgegengesetzt, die vitalistische nicht minder, obwohl sich eine mißverstandene Apologetik ihrer freuen zu sollen meint. Es ist noch kein gläubiges Denken, wenn man nun einmal Geist sagt, wo man bisher Materie sagte. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.Wenn Geist etwas Existenzielles ist und Stoff ebenso, dann entsteht Leben nicht dadurch, daß man die beiden vermengt. Leben ist nicht, Leben geschieht. Und wenn der Mensch ein geistigleibliches Wesen genannt werden darf, so nicht darum, weil Geist und Leib als Seiende ihn konstituierten, sondern weil die Wirklichkeit ..Mensch" der Gleichnisvollzug von Vergänglich und Unvergänglich, von 378

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