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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Wenn es gestattet ist, diese Beschreibung eines Naturvorganges sprachlich zu übersetzen, so wird, wie ich glaube, die Einheitlichkeit des Lebenswirklichen deutlich. Das Ei ist gewissermaßen aus seinem eigenen, selbstgewirkten Schicksal heraus erlösungsbedürftig geworden, und die Erlösung kommt ihm daraus, daß es mitgelebt wird in einem größeren, umfassenderen Lebensganzen, das seinerseits durch einen Teilvorgang - die Befruchtung - eine Ganzheitssituation schafft, die für jenen fernen Unterteil, das Ei, die Fortlebensmöglichkeit, den Entwicklungseintritt aktualisiert. - Das Entscheidende in der aktualisierenden Situation aber ist das zeitliche Moment. Das Ei kann nicht warten, und es hat keinerlei Macht, das rettende Ereignis selbst herbeizuführen. Ob es das befruchtungswürdigste Ei unter Milliarden und aber Milliarden ist. ob mit ihm, seiner besonderen Anlage nach, das Reich der Natur um neue, höhere Formen in der Fortentwicklung bereichert werden würde, das ist ganz gleich. Daß ihm das entscheidende Ereignis geschieht und daß es zu seiner erfüllten Zeit eintritt, das ist das Eine, was nottut- Es Hegt nahe, hier an das Wort von den vielen Berufenen, aber wenigen Auserwählten zu denken; aber auch hier wiederum sei der Beschränkung im Gleichnisdeuten gedacht. Das natürliche Leben läßt tatsächlich eine ungeheure Fülle von selbstgeschaffenen Möglichkeiten ungenützt, um einen kleinen Bruchteil zu realisieren, aber es wählt eben nicht aus. Auswahl ist die Leistung eines Bewußtseins. Erst auf der Stufe des Lebens, wo das Teillebende das Bewußtsein seiner Teilhaftigkeit hat, wo also das Ganze sich ihm offenbart, erst dort wendet sich auch ein Bewußtsein vom Ganzen her auf die Teile und wählt aus. Aber an diesem auswählenden Bewußtsein hat das Teilbewußtsein keinen wesensgemäßen Anteil mehr, es kann ihn haben, aber nur wie gleichnisweise das Ei im Siehentwickeln die erfolgte Befruchtung offenbart; nur in der tatsächlichen Wiedergeburt erlebt sich der Auserwählte als auserwählt. Das geht auch schon aus unserem Gleichnis hervor, daß jedes Offenbarungserlebnis im Teil ein Passivitätserlebnis sein muß, und daß die Möglichkeit dieses Erlebnisses, ins Denken gehoben, zu der Frage werden muß: wie bekomme ich einen gnädigen Gott? - Der wissenschaftliche Sprachgebrauch stellt, wie wir sahen, das Leben im Zellverbande, im Organismus als „organisch44 dem Leben der Einzelzelle gegenüber. Wir hatten aber auch festgestellt, daß das Leben der 377

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