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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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sondere Fassung ausdrücklich bewahren soll. Das wäre der Versuch einer natürlichen Gotteserkenntnis, einer Metaphysik des Schöpfers aus der Physis des Geschöpfes. Auf der anderen Seite des Gleichnisses darf nur das Reich Gottes, ■/) ßaoiktia tvjv orQarwv, stehen, nicht etwa Gott, Das Gleichnis kann nur dann wahrhaftes Gleichnis sein, wenn es nicht mehr ausspricht, als was tcir leben oder mitleben, wenn wir nicht den Inhalt der Offenbarung aus unserem Erfahrungsbereich ableiten wollen, sondern umgekehrt die Offenbarung uns das geschöpfliche Leben als Gleichnis erfahrbar macht. Dann aber muß es auch wahrhaftes und notwendiges Gleichnis sein, das heißt: es muß ein Lebensbereich geben, wo die Gleichnisbeziehung das Moment der Verwirklichung selbst ist, wo Offenbarung des Schöpfers und Selbstdarstellung des Geschöpfes einige Wirklichkeit ist. das ist das Reich Gottes. Über das Reich Gottes, dessen Kommen die lebendige Hoffnung des Offenbarungsglaubens ist, können wir aus der Erkenntnis des geschöpflichendes organischen Lebens heraus Aussagen machen, sein Geheimnis kann uns im Bilde des natürlichen Lebens tiefer offenbar werden, seine Fragen und Entscheidungsforderungen begegnen uns in den Problemen der Lebensforschung in anderer Gestalt wieder Ja, ich glaube, wir dürfen noch weiter gehen. Wir dürfen sagen, daß die Möglichkeit der Offenbarung ein konstituierendes Moment der Wirklichkeit unseres Lebens ist. Es muß in der Erschaffung des Menschen mitgeschaffen sein, daß er im Reich Gottes leben, daß er Offenbarungsträger und Glaubenstäter sein soll. Es müßte mehr als Blindheit gegenüber der eigenen Bestimmung, es müßte die Unmöglichkeit der Selbstverwirklichung des Menschen bedeuten, die Unmöglichkeit also, zugleich Wirklichkeit und Bewußtsein des Lebens zu sein, wenn die Offenbarung im Kommen des Gottesreiches nicht „in die Wirklichkeiten gebrochen" wäre. Die Tatsache „Mensch66 bedeutet uns, daß das Geheimnis offenbar geworden ist, im natürlichen wie im übernatürlichen Leben, und nur weil im einen wie im andern. Man könnte diese Gedanken gewiß auch in anderer Form aussprechen, in der philosophischen Einkleidung, sie etwa unter dem Problem der religiösen Erkenntnis entwickeln. Aber wir wollen hier von den Inhalten der Lebensforschung handeln, nicht von der Form ihrer Erkenntnis, darum wollen wir auch von Anfang an den Offenbarungs/n/iafo, den 372

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