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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Glaubensgegenstand ins Auge fassen. Wenn wir vermeinen würden, in der Gottheit selbst unmittelbar etwas erkennen zu können, so würde Offenbarung inhaltsleer, Glaube gegenstandslos. Die Polarität von Sehöpfer und Geschöpf wäre umgekehrt, unser Gott wäre nur der Feuerbachsche Gott der menschlichen Storchschnabelprojektion, es wäre kaum der Mühe wert, die Biologie zu beanspruchen, um den menschlichen Riesenschatten an den Himmel zu werfen. Dieser Gott würde der Tatsache des menschlichen, vereinzelten Lebens gegenüber nichts weiter leisten können als in einem Individuum vollendet zu zeigen, wozu die unzähligen sterblichen Individuen nur mannigfache Ansätze darstellen; die Schöpfung wäre ein Umschlag des Goldes zu Scheidemünzen, die Erkenntnis dieses Gottes hätte aus der Lebenswirklichkeit nichts zu gewinnen, hier ist ja von Gleichnis keine Rede, sondern von direkter Größenabstufung. Aber es hat vielfach auch ein anderes, von der organischen Lebensschau ausgehendes Denken über die Gottheit gegeben, welches nicht den über die Vielen erhöhten Einen in Übersteigerungen erschloß, sondern das Fragmentarische der individuellen Existenzen in der überindividuellen Einheit zur Ganzheit gelangen ließ und diese Einheit Gott nannte oder vorsichtiger auch „Weltseele44, Naturganzes, Uberorganismus. Ich glaube nicht, daß auch vom Offenbarungsglauben aus dieses Denken einfach als fehlsam oder vermessen abzutun ist, sofern es nur nicht aus der erkannten Teilhaftigkeit, den Schicksalszügen des Teiles - in dem Geschehen zur Ganzheit hin - Schlüsse auf ein bedingtes, selbst schicksaltragendes Sein des höchsten Wesens zieht. Tut es das freilich, so kommt es zu Vorstellungen wie der eines werdenden oder auch eines leidenden Gottes, eines Gottes, der des Menschen zu seiner Vollendung bedarf, eines zu erlösenden Erlösers. Wir werden diesen Irrweg vermeiden, wenn wir mit dem Gleichnisvollzug innerhalb des Vergänglichen bleiben, wenn auch die andre Seite des Gleichnisses dem Ewigen nur zugewendet, aber nicht das Ewige selbst ist; mit andern Worten: wenn allein die Offenbarung als in die Zeit hineingeschehenes Ereignis das Vergängliche zum Gleichnis macht, wenn also kündbare und lebbare Inhalte der Offenbarung - Verheißungen Gottt>, Taten Gottes, Gebote Gottes - das natürliche Leben durch Teilhaftigkeit am übernatürlichen in sich vollenden, seine Wirklichkeit selbst als Gleichnisvollzug offenbar machen, geheimnisvoll offenbar. 373

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