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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 119

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 119)
Language
German
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gilt es ernst zu nehmen, nicht ihre „Führermacht" oder die vorgeschobene Surrogatphilosophie, mit der sie sich selbst zu täuschen verbuchen. Auf dieses schlechte Gewissen sind heut alle anzusprechen - denn die Gruppe ist Wirklichkeit - jeder in seiner Sprache. Und das ist es, was es zu lernen gilt, die Sprache der andern in der Philosophie, im Dogma, bis zum Aberglauben und Schlagwort oder wie sonst die „Träume vom Geist" heute gelebt werden; das Stichwort zu lernen, das zum Erwachen anredet. Das gilt: den Protestanten, den Philosophen, den Nationalen, den Katholiken oder den Schönheitsfrommen ernst zu nehmen im andern und in sich. - Denn das ist ja die Brücke in die Zeiten um die Gruppe. Die „freie Jugend*", die „Gruppe" in ihrer Reinheit existiert ja nirgends konkret - trotz ihrer irklichkeit im Geiste. Jeder ihrer Träger ist mit Wesentlichstem seiner Person auch bei klarstem Glauben an die „Freiheit" irgendwo gebunden im Natürlichen und im Geistigen seiner Existenz. Nur sein tätiges Leben in der Gruppe nimmt gleichsam die zukünftige Freiheit in die Gegenwart hinein, indem da einer für den andern in ihm als das Du seines Ichs in überkreuzter Spannung den Freien verwirklieht. - Die Gruppe ist nicht vom Himmel gefallen, tausend Fäden des Erbes und der Liebe verbinden ihre Träger mit der Umwelt. Und so erscheint diese von der Zeitlosigkeit der Gruppe her gesehen als mehrzeitlich, zu der man in jedem Kreise ihrer herrlichen Buntheit eine andere Sprache anderen zeitlichen Ursprungs reden muß, um überhaupt reden zu können. Insofern ist, sobald das stumme Leben der Gruppe in einem Alter zum Wort wird, dieses als Lehre mehrzeitlich. Aber immer nur auf dem Grunde der in ihrer ewig erneuerten Ursprünglichkeit zeitlosen „Gruppe". Kein Einzelner kann mehrzeitlich leben und lehren, ohne Gefahr, in der schillernden Mannigfaltigkeit seines Wesens jede Glaubwürdigkeit zu verlieren. Mehrzeitliche Lehre ist nur aus der Gruppe heraus möglich, die dem Lehrenden erst dadurch, daß sie ihm Heimatrecht in einer Gemeinde gibt, Glaubwürdigkeit gegen das Außen verleiht.- Zu sicher ist bei allen Irrwegen der Geistreichen doch im Menschen das Wissen, daß ein wahres Verhältnis des Ich zum Göttlichen doch nur über das Du in einem Wir möglich ist. Eine Frucht des Heraustretens als angesprochene Person aus der Kultur, die man mitträumen durfte, ist eine gewisse Art des bewußten Lebens, die unsrer Zeit - als Norm wenigstens - fremd war. Darum, weil diese helle Härte zwischen Menschen, mit der sie oft in Erscheinung tritt, Sentimentalität nicht vertragen kann, hat sie noch nichts mit Politik zu tun, sondern ist eben nichts andres als eine neue Art Klarheit zwischen Menschen, die da ist und in einer neuen Liebe gelebt sein will. Politik im alten Sinn gibt es für die lehrende Führung und führende Lehre aus der Gruppe heraus überhaupt nicht mehr. Es ist längst als unfein unmöglich geworden, auf die Dumpfheit der Andern ein Reich bauen zu wollen. Aber gerade je größer und klarer diese Führung in Erscheinung tritt, um so weniger v erliert sie von ihrer hellen Härte, die ihrem Wesen nach Liebe ist, die den ganzen Menschen im andern umfaßt. Daß sie freilich ihren ursprünglichen Sinn als Führung zur Befreiung nie verliert, das verbürgt auch wieder nur die sich ewig in ihrer l rsprüng- 365

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