Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 118)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine neue Schar steht heute dort, wo 1914 ihre Führer der Übermacht des Schicksals erlagen, das keine Zeit zur Reife ließ. Um so härter steht sie heute nach diesem Bild jüngster Erfahrung, je stärker sie selbst in Gefahr steht, sich nicht den freien Raum zwischen den Mächten wahren zu können, gegen den Abfall in eignen Reihen zu alten Worten der Kirche, des Staatsglaubens oder der Parteien oder zu eigner vorzeitiger Zielsetzung, die ihr reines befreiendes Mensch-zum-Mensch-sein mit ..neuer Sachlichkeit44 aus dem „Es" heraus erdrückt und das Wachsen einer vollmenschliehen Wirklichkeit aus der Gruppe heraus verhindert. Die Empörungskraft der Allerjüngsten gegen die noch eben Jüngsten - als ein Maß, wieviel Sachlichkeit aus dem Es die Gruppe zu ertragen die Kraft hat - erneuert wohl aus sich heraus immer von neuem das Bild der „Gruppe" - aber eben doch nur der Jungengruppe. So notwendig diese permanente Revolution als Erneuerungskraft aus dem Ursprünglichen heraus gegen vorzeitige Festlegung des Geistes im starren W7ort oder engen Ziel der Tat ihre Aufgabe hat, im Großen ist sie doch Stillstand zum Tode, so lange sie nicht gleicherweise die Gestaltung der „Gruppe44 in die vollere Wirklichkeit des nächsten Lebensalters hinein zur Aufgabe hat, wie die Reinhaltung des Bildes im Gestalteten der alten Stufe. ★ ★ ★ Die Bewegung hat den Richtspruch der Geschichte über die Mächte der Vorkriegszeit, die den Fünfen im Panzerturm vor dem Tode zu einem „Spielen mit Sand44 zerfallen - und die sie doch verderben — so wie sie ihn vor dem Kriege unklar vorweggenommen hat, nach dem Kriege erfüllt. Sie hat nicht gegen die Mächte gekämpft etwa, cie hat die allerwirksamste Waffe eines jungen Geschlechts gebraucht, die es leben kann, sie hat an ihrer Existenz vorbeigelebt, als wäre nie Sohnesgeschlecht verpflichtet in das Kulturerbe der Väter getreten. Das war von vornherein ein anderes, als wenn sonst etwa Söhne gegen Väter rebellieren, indem sie Großvätertradition aufnehmen, gegen die ihre Väter ihrerseits rebelliert hatten. Es gibt keine Großväter - auch die Burschenschaft 1813 nicht - und die Jungen der Gruppe sind keine rebellierenden Söhne; wo die Bewegung so gedeutet wird, wird sie mißverstanden oder versteht sich selbst nicht. Die „Gruppe" tritt aus der Generationenfolge des Geistes überhaupt heraus, sie lebt ein unmittelbares Verhältnis zum Geiste. Den Zeitrechnungen der Kirchengläubigkeit, Nationsgläubigkeit, Staats- und Zukunftsstaats-Gläubigkeit setzt sie ihre eigene Zeit entgegen, die ihrem inneren Wesen nach zeitlos im höchsten Sinne ist. Sie lebt ihre eigene Zeit, die recht eigentlich ewige Zeit ist durch die Unmittelbarkeit des Menschen zu Gott im reinen Verhältnis des Einen zum Andern in der Gruppe und ist im wahren Sinne auf dem festen Grunde der Gruppe zeitlos ungeschichtlich nicht mehrzeitlich. Das ist ihr geschichtlicher Sinn. Dieser Kern - an dem zu leben, haben freilich wenige die Kraft. Aber das ist auch gleichgültig - Drei leben ihn wie Tausend. Die andern leben ihn auch, näher oder ferner, klarer oder dumpfer in irgendeiner Gefolgschaft dem Führer oder der Idee. W orauf es ankommt, das ist das schlechte Gewissen der Abgefallenen, das 364