Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
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lichkeit erneuende Gruppe, die diesen Sinn ständig als lebendige Wirklichkeit verbildlicht, nie der Einzelne. Das Gesetz gilt völlig unabhängig von der Größe, Reinheit und Reife dieses einzelnen Führers als ein Gesetz des geistigen Werdens selbst. Überzeugend ist nicht die mehrzeitliche Lehre an sich, sondern einzig und allein das vorgelebte Leben der Gruppe. Die Art, wie einer aus solcher Gruppe heraus zu einem draußen spricht, dem er aus irgendwelcher Liebe helfen will, - das ist doch wohl die Lehre". Daß sich dann zur Vereinfachung aus vielen im wesentlichen gleichen Situationen ein gewisser geläufiger Gedankengang zu der Lehre objektivieren mag, kann man doch nur einseitig positiv werten. Zu leicht wird sie damit auch dem Unwürdigen zugänglich, als daß mit dieser Objektivierung die Lehre nicht auch schnell wieder geschichtlich, d. h. zu einer Gestalt in der Zeit werden müßte. Aber das ist wohl der Weg des Geistes in die Welt. Neuaufbrechende Ursprünglichkeit zwischen Menschen mag seiner Erstarrung sich dann wieder als Erneuerungskraft in Front stellen: viele Zeiten und Gestalten im Angesicht des Ewigen in herrlicher Mannigfaltigkeit. Worte und Lehre sind nicht das einzige Mittel aus dem Innenraum der Gruppe zu einem Geliebten draußen. Hellharte Führung ist das andere mit diesem vereint. Die Zeiten der Reife sind lang und die Arten verschieden. Führung in einem andern Sinne als dem zur Befreiung gibt es nicht. Dafür ist der Name im , Wandervogel4 geprägt und dafür gilt er weiter neben dem Namen für die mit dieser verbundenen zweiten Wirkungsweise aus der Gruppe heraus, dem neuen der Lehre. Ließe sich die Gruppe diesen Namen heute schon entgeistern zur Bezeichnung eines ihr wesensfremden Verhaltens des Menschen, aus seiner Ichverschlossenheit heraus zur Bestätigung seiner Existenz durch eine Gefolgschaft, so würde das bedeuten, daß sie sich ihre volle Wirklichkeit des Lebens zerspalten läßt, die den ganzen Menschen umfaßt und auf den ganzen Menschen geht. MITTEILUNGEN Den Beitrag von Leo Schestow hat Hans Ruoff (München-Nymphenburg) aus dem Russischen übertragen, von dem auch die Übertragung von Schestows Buch „Die Schlüsse lgewalt (Potestas claviuin)" herrührt (Verlag der Nietzsche-Gesellschaft, München); ein verwandter Aufsatz über Pascal ist in „Ariadne, Jahrbuch der Nietzsche-Gesellschaft 1925" erschienen, zwei andere Schriften, „Tolstoj und Nietzsche44 und „Dostojewskij und Nietzsche44, bei Marcan in Köln. 366