Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 117)
- Language
- German
- Belongs to
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in der Sinnlosigkeit an den Sinn zu glauben - und wär's auch nur der, mit dem Opfer des eigenen Lebens die Sinnlosigkeit bis zum Ende zu leben, daß Raum frei wird für ein Neues. - Dies Motto, als letzte Burg des Glaubens vor sicherem Tode gesprochen, das sagte sich die junge Schar nach dem Kriege zum Beginn ihres Lebens: nie zu vergessen, wie vernichtend aller Sinnzusammenhang im Volke zerbrochen ist - und den Zwang des Schicksals nicht, einmal übernommene Pflicht zu erfüllen. Von allem Anfang war ihre „Pflicht" eine neue geworden. War sie den Fünfen im Panzerturm, in dieser eisernen Lnentrinnbarkeit des Schicksals nicht mehr zu lösen von der einmal übernommenen Pflicht: zu schießen, so war sie ihr mit dem Bild dieser Unentrinnbarkeit vor Augen vom Beginn ihres wahren Lebens an vielmehr die, sich von solchen Pflichten freizuhalten, die in der Entscheidung sinnlos werden. Und was den Fünfen vor ihrer Ergebung in die „Pflicht"4 - oder den Wahnsinn - in dem Bilde der Zwei als neue Sinngebung vorschwebte, das trug diese Schar als Recht zur Befreiung von den alten Pflichten in sich. Nirgends nach dem Kriege i-t im Raum eines „Wir" in der Art eindringlich unmittelbar das vDu" mit voll» m Einsatz des „Ich44 gesprochen worden, wie da in der „Gruppe". Was tut es, wenn sie ihr „Es" noch gleichsam suchen muß, um sich an ihm zu befreien und es noch erst als „Abenteuer und Entdeckerjubel" kennt. Dahinter steht klar genug, da 13 alles, was sich da als Schicksal im Es dem Wir in den Weg stellt, immer nur kräfteweckend dem Einen, Einfachsten dient, dem, was zwischen Mensch und Menseh sein kann. Denn die „Gruppe44 der Jungen ist die einzige Gestalt, die dieser Z« it des zersplitterten Geistes wenigstens in einem Lebensalter ein lebendiges Bild für die Stufenleiter des Göttlichen erhält: nach einem unerklärlieb wirkenden Gesetz der Wahlverwandtschaft wächst sie zusammen und löst den einen Jungen mit einer bis zur Härte ernstgenommenen Eindeutigkeit von allen andern Bindungen zu dieser einen Verpflichtung ab. Nach stets sich veränderndem Gewicht findet die Gruppe im Bund und der Eine in der Gruppe den Platz, der ihm gebührt und den er ohne Pflichtüberspannung zur eignen Vervollkommnung erfüllt. Nach nie formuliertem Recht nimmt der Führer seinen Platz in der Gruppe und zwischen Gruppe und Ganzem ein. — Recht eigentlich „jus divinum*4 ist lebendig in diesem Bund und mit ihm als in vollkommnem Keime formgebende Kraft zu neuer Ordnung, die dem vollen Menschen aller Lebensalter und beider Geschlechter Erfüllung wird. Aber da ist die Klippe, an der die Ordnung, die für Jungen vollkommen sein kann, noch immer zerschellte, bevor sie Form für das nächste Lebensalt«-r mit seiner Aufgabe in Arbeit und Ehe werden konnte. Die Klippe in <b m Wund* rweg von der Stummheit zum Wort. Denn was in der Jungengruppe als eine Form des Geistes vor seiner Objektivierung im Wort lebendig war und ist, wt il es dort auch so alle Seelenkräfte binden kann, das kann in der vollen Wirklichkeit des L-bens nicht in Stummheit erfüllt werden. Nur im eigenen Wort, der eignen namentragenden Sprache ist hier der Geist kräftig gegen den Ungeist, dem die Fünfe erlagen. 263