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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 114)
Language
German
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übend, schon in der Frühzeit: ihren tiefsten Instinkten entspricht dies jenseitige Heldentum wie jenes diesseitige. Mitteninne zwischen dem gegebenen unableitbaren, materialen Gesetz des Einen Volkes und der späteren erdachten, aus der Idee abgeleiteten, formalen Moral Europas steht die Askeük des Christentums, die nicht, wie die des fernen Ostens, nur und ausschließlich seelische Übung für den mystischen Vergottungswillen des Einzelnen ist und doch wiederum auch dies, als Erweis ihrer individualen Art. in sich birgt: genau so, wie die idealistische Haltung der späteren Zeit den Geist der Wissenschaft in sich trägt. Es ist also das ganz nahe, ganz erkennbare Ereignis eines gewaltigen asketischen Lebens, das den Menschen nicht die nur vom Einzelnen und Abgesonderten zu erreichende Tiefe der Gottversunkenheit, sondern die Grundzüge sittlicher Gemeinschaft offenbart; ablesbar an diesem zeichengebenden Leben werden die Weisungen, denen die Angehörigen des dritten Ordens sich fügen. Gebet und Fasten sind ihnen anbefohlen, brüderliche Fürsorge an Kranken, würdige Bestattung der Toten ist ihnen heilige Verpflichtung; im Geist des Friedens sollen sie keine Waffen tragen, nur in bestimmten Ausnahmefällen dürfen sie Schwüre leisten, ihre Zehnten haben sie getreulich zu entrichten. Keiner der Menschen, die ihre Lebensbedürfnisse auf das Nötigste einschränken müssen und unter dem schmucklosen Gewand den Strick des Pönitenten tragen, empfindet die Enthaltsamkeit als widernatürlich; sie nehmen - der schlichte Mann Luchesio, wie die adlige Frau Jacoba de Settesoli - eine Lebensweise auf sich, die sie zwar nicht alle in den gemessenen Kreis der Auserwählten führt, wohl aber ihr geschöpfliches Dasein in der menschlichen Gesittung heiligend vollendet. Franziskus selbst aber vollendet, was in der Armut sich gründet und im Gehorsam sich bindet, im Gelübde der Keuschheit, dem ausnehmenden Höhepunkt der asketischen Sittlichkeit: die Gestalt des ans Ende gelangten Menschen, des Heiligen, der, die Kette der Zeugungen durchbrechend, rein und vollkommen über dem Weitertreiben der Geschlechter steht. Menschliches Gewerk nehmen die Heiligen der Christenheit mit in ihre Glorie, es fürbittend zu weihen: dieser nimmt die Menschen selbst mit sich, derengleichen er immer bleibt, die Kinder der Welt, denen er gerecht wird; die Geschöpfe Gottes führt der mit ihnen brüderlich Erschaffene und in Fleisch und Blut Geeinte vor den Schöpfer und allumfassend breitet sich seine Erlösung. 360

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