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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 113

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 113)
Language
German
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apostolische Leben jenes einen Mannes als segnendes ideales Bild; seiner Fürsorge vertrauen sie sich mit allem Um und An ihres Daseins, ihrer Augenblicklichkeit, ihrer Relativität. Franziskus antwortet den drängenden Bitten, die zu ihm kommen: den Geist seiner Anwort kennzeichnet sein Brief „An alle Christen". Nicht weil er etwa durch Wundertaten die gern- und leichtgläubigen Gemüter anzieht, wird er der Führer auch derjenigen, die „in ihren eigenen Häusern leben": ganz unmagisch, im Einfach-Menschlichen, wirkt hier die Kraft seiner Sendung, seiner Sinn-Bildlichkeit; er ist den Suchenden aller Lebenskreise der eigene Mensch, ihren Nöten nah, ihrem Sein verbunden. Zum anderen Mal tönt in eine Stunde der Geschichte das Jesuswort „Mich jammert des Volks"; das Licht eines evangelischen Lebens leuchtet auch allen denen, die aus Weltlichkeit und Zeitlichkeit, aus Beruf und Besitz, aus der fortzeugenden Gemeinschaft der Generationen nicht gelöst werden können und dürfen. Von Franziskus selbst geht nicht die regelhafte Organisation des dritten Ordens aus, sondern, gleichsam als der automatische Anteil seines Apostolats, ein Geschehen, das in den bürgerlichen Alltag sich abschattet und in das Weitere der Menschenleben hineinpulsiert, eine Verwirklichung im konkreten Geschichtsablauf, die aus gegebener Lage und augenblicklicher Notwendigkeit ihre Form empfängt, um so lange zu bestehen, als der derzeitige Kulturstand ihrer bedarf. Der dritte Orden ist, weil lokalen und momentanen Verhältnissen gegeben, in viel stärkerem Ausmaß zeitverhaftet, wandelbar, konfliktunterworfen, wie der erste Orden der Brüder des Franziskus, und der zweite Orden der Schwestern Claras; er ist der in diese und nur diese Epoche eingetane, für alle Folgezeit einmal gewesene, nur aus späterer Aufzeichnung und nicht aus direktem Vermächtnis erschließbare Teil des franziskanischen Werks, dessen versuchte Erneuerung in anderer Zeitschicht christlicher Katholizität nur noch den Schatten des ursprünglichen Sinnes haben kann. Der temporäre Wert der Gründung besteht aber darin, daß in ihr eine Versittlichung der Zeit aus dem Geist der Askese wirksam wird: das asketische Leben des hier wirklich providt-ntiellen Mannes und seiner Brüder ist Vorwurf weltlicher Heiligung, und was er allein vollkommen zu sein befähigt ist, wird ethisches Ideal gerade dieser Menschheit. Denn Askese ist der Name, den die Sittlichkeit der großen ökumenischen Epoche trägt; sie überleuchtet als christliche Ethik neben dem ritterlichen Wesen das Leben der jugendlichen Völker, Werte ein-

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