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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 111)
Language
German
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Dominikus. Es kennzeichnet Art und Wirken des spanischen Theologen, daß seine erste Gründung eine Zufluchtsstätte für Mädchen ist, die in Gefahr sind, unter ketzerischen Einfluß zu fallen; ist Franziskus der Helfer, so Dominikus der Streiter: immer lebt in der liebenden Seele jenes die triumphierende, im eifernden Geiste dieses die kämpfende Kirche. Der paulinische Apostolat erscheint aufgeteilt, so daß seine theoretische Arbeit, sein Lehramt dem zufällt, den der Nachfolger Petri mit der unterweisenden und berichtigenden Predigt betraut hat. Der Wille des Dominikus geht auf die Schaffung einer die Unantastbarkeit des Glaubens hütenden Schar. Wenn der Grundsatz auch dieser Gemeinschaft die Armut ist, so bleibt sie hier doch eben nur Satzung und wird nicht entscheidendes Wesen; in dem neuen Mönchsgewand, das sich rascher als das franziskanische dem alten Zuschnitt angleicht, in dem Orden, der sich willig alterprobter Augustinerrregel bequemt, lebt die heilige Idee, wachsen die Lehrer und Wächter des Glaubens heran, die Diener der lateinischen Geistkirche, die sich im europäischen Denken einen neuen Ausdruck ihres Formwillens schafft und ein Imperium des Gedankens errichtet. Line starke Waffe dieser Kirche sollen die Brüder des Dominikus werden; Franziskus geht mit einem Reisigbesen in den Kirchen umher und fegt den Staub vom Estrich: mit gewaltsameren Mitteln müssen die „Jagdhunde des Herrn64 den Unrat der Ketzerei vertilgen, als echte Schüler dessen, der schon im Beginn seiner Laufbahn den Kampf gegen die Albigenser predigend und betend miterlebt hat. Das Werk des Dominikus breitet sich gleich dem des Franziskus rasch aus: auch die Prediger finden willige Hörer, aber ihre Volkstümlichkeit gründet sich in einer anderen Schicht des Zeitbewußtseins. Für dessen Religiosität ist es zwiefach bezeichnend, daß jeder Einzelne gern das bevorzugte Gebet des Dominikus spricht, den Rosenkranz, der ihn durch seine festgebundene Form doch nicht in die Willkür des Subjektiven abgleiten läßt, während die Menge im Prozessionsglanz des neuen Fronleichnamsfestes den Leib Christi, das Lieblingssakrament des Franziskus, und damit zugleich die Kirche selbst feiert. An dem Doppelwesen des christlich-offenbaren Wortes, der Hörbarkeit und der Sichtbarkeit, scheiden sich die Wege seiner beiden großen Diener; anders, als der strenge Hüter des Dogmas und der befehlende Denker wandelt der evangelisch Lebendige und Vorbildliehe unter den Menschen und in der Welt seiner Tage. Das Wissen um den Glaubeus- 357

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