Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
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über der alten engen Portiuncula die Riesenkuppel eines Domes sich wölbt, das Herzstück eines neuen Sanktuariums liegend und schützend, das von des Meisters eigenen Händen erbaut und in die Kirche hineingetragen worden ist. Ihr geweihter Raum wird die Pflanzstätte für den natürlichen Keim der Form sein, der schon in der ersten Intention des Franziskus ruhte; bereits mit dem für ihn ganz selbstverständlichen Gang zum Papst hatte er das getan, was zu Recht geschehen mußte, um seine Gemeinschaft aus der Diaspora der Zeitlichkeit in die christliche Ordnung der Ewigkeit zu leiten und einzugliedern. Was für ihn ein für allemal geschehen ist, und w odurch er Christ ist, das soll gemeinwirklich sein, wirklich wie er, der Eine: diese Forderung stellt der unbedingte Mensch des Christentums und dringt mit solcher zeitaufhebenden Gesinnung in die Zeit vor. In dieser aber ist, was ehedem in der Tat Ende aller Geschichte sein sollte, Gestalt stetigen Harrens geworden; also kann die Weisung dessen, der vor der unmittelbar mit ihm selbst hereinbrechenden Ewigkeit steht und deshalb im Wortsinn keine Zeit mehr hat: „grüßt niemanden unterwegs", haltet euch nicht auf - hier nicht gegeben werden, und Franziskus hat sie in dieser Form nicht gegeben. Seine auf das Höchste und Äußerste gerichtete Lebensabsicht findet, wie für ihn selber, so für alle, die sichtbare Zielgestalt in seiner Kirche; sie ist da, von jenem Ersten eingesetzte Waltung des Reichs, heiliger Hausbau der christlichen Ökumene. Die neue Himmelreichsgewißheit muß in ihre währende Gründung eingehen: Franziskus weiß um die Unbedingtheit ihres Schonbestehens und besitzt damit zugleich den festen Grund und Boden seiner Gemeinde; die Fundamente seines Baues braucht er nicht noch einmal auszuheben. Er kommt zur Kirche, denn für sie hat er ja die „verirrten Schafe" seines Volkes, ihrer Völker, gesammelt; wie er ihr Helfer sein will, wird sie fortan sein Werk halten: nur sie vermag sein Ewiges zu hüten und vor dem Versprühen zu bewahren. Ihre Pforten tun sich dem Bunde auf: wie zu ihrer Zeit der Arme und der Papst sich begegneten, so begegnen sich jetzt die neue Gemeinde und die alte Kirche inmitten der Zeitlichkeit; sie erkennen einander auf dem Wege. * ★ ★ Trotz aller Anfeindung und Verachtung, die den jungen Francesco getroffen hat, blieb sein Weg zur Klarheit von jener Freudigkeit überglänzt, die ein so wesentliches Merkmal seiner Person ist. Uber der Straße aber, 316