Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
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sogleich auf jeden Erreichbaren ausdehnt. Und so wird den Brüdern eine Begnadung zuteil: Aufbruch ihrer Herzen zueinander. Alle Sonderung durch Besitz, Stellung, Wissen, alle im Herkömmlichen und Gewohnten wurzelnde Lebensform ist hinter ihnen zurückgelassen, wie einst des Jünglings Francesco abgestreiftes Gewand-rnag darüber eine Mutter weinen,ein Vater zürnen, ein Stand sich empören. Stärkste Hemmungen werden über wunden; dem Bund der Brüder gesellt sich als zweiter der der Schwestern, da Chiara aus dem vornehmen Geschlecht der Sciffi mit ihrer noch kindlichen Schwester Agnese ihr jungfräuliches Leben in demselben Sinn,wie die Brüder, dem evangelischen Vorbild fügt: neben die büßenden Männer der Portiuncula treten die armen Damen von St. Damiano, denen Franziskus, „wie Kindern einen Schluck Milch/4 die Vorschrift seines Lebens reicht. Nun geht es nicht mehr nur um ihn, Franziskus selber und allein: das weitere, von ihm ausgehende und deshalb von ihm sich entfernende Geschehen bietet dem Blick mehr als bloß sein persönliches Leben. Denn indem sein Innengesetz in Umweltbindung übergeht, werden seine Dinge Anliegen und gemeinsame Sache der anderen, der vielen, zuletzt aller Christenheit: der Wille des Menschen mündet in das Gewirk der Welt. Damit tritt die Beziehung dieser einzelnen Menschenseele zu ihrem Gott zurück; die Beziehung Gottes zu seinem einsamen Geschöpf wird erst wieder nach einer letzten Wegbiegung als bedeutungsvoll-abschließendes Ereignis sichtbar. In den Vordergrund der Geschichte tritt die Beziehung des Menschen zur Welt; das Geschick seines Werkes im l msehwung der Jahre. Lebendiger Stoff der Begebenheit sind alle Angehörigen des Franziskus mit dem Wahrlich ihrer Herzen, die haltende Form bringt seine Kirche mit dem Ja ihres Geistes; das Wir der Erlösten wird in den Strom der Zeit eingetan, in dem es zur gestalteten Gruppe gerinnt: der willige Bund der Seelen wird gehorsamer Orden. Unaufhaltsam wächst die Zahl der sich nach dem Willen des Franziskus Verbrüdernden; weltbeladen, stets neue Angehörige mit sich führend, kehren die Sendlinge von den großen Missionsfahrten zur Portiunculakapelle heim. Längst faßt das kleine Häuschen die Menge nicht mehr, die sich zweimal im Jahre um den Meister versammelt. Aber die Kapelle des Ausgangs weitet sich nicht selber zur Kirchenhalle; es ist ein bedeutsames Symbol für die Art, wie der Einzug der franziskanischen Volksprozession in die Kirche vor sich gegangen ist, daß heute;U5