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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 98)
Language
German
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Art ist Leone, das,, Schäflein Gottes", des Franziskus besonderer Liebling. Er bewahrt schriftlich die Worte des Meisters und trägt als Amulett das Blättchen bei sich, auf das jener mit geheiligter Hand den Priestersegen geschrieben hat, mit dem angefügten ganz persönlichen Schluß: ,,Der Herr segne, Bruder Leo, dich!" Leone ist später zum streng-getreuen Eiferer in seinem Bilde geworden. Diese Menschen sind nicht Legionäre, die in erbittertem Kampf für die reine Lehre der Kirche zu streiten haben, sondern Troubadours der Erlösung, in denen die vertrauten Lieder und Ideale aus der Jugendzeit ihres Führers zu neuartig weiterklingendem Ausdruck christlicher Verkündigung werden. Ein heiliger Mimus wird wirksam, da die Herolde des Himmelreichs ihre Heilsgewißheit in die Tumulte der Städte und in die Tagesmühsal des Landes hineintragen, da sie vor den Augen einer Menschheit, die den Weg der Buße nicht kennt und ihn für eine Torheit hält , das Einst des Berichts in das Jetztendlich der Erfahrung verrücken. Und die Zeitgenossen, die das grausigseltsame Schauspiel eines Kinderkreuzzugs erlebt haben, öffnen sich der liebenswürdigen Art der Männer, in denen noch das Kind ist - jeder Einzelne dieser lebendigen Sendbriefe wird zum Ausgangspunkt neuer Boten. Die Mission sucht und findet und wird Gemeinschaft, die die Wirkungsfülle des einen Franziskus bewahrt und mitmenschlich den Menschen aufhebt. Von den Scharen, die ihr Leben dem des Franziskus und seiner Jünger angeglichen haben, berichtet der Zeitgenosse Jakob de Vitry, sie seien wie jene Gemeinde, von der geschrieben steht: „die Menge der Gläubigen bildete ein Herz und eine Seele". Die Bindung dieser Menschen aneinander geschieht nicht dadurch, daß sie das aufgeschriebene Urwort vom christlichen Stand der Erlösung einfach vernehmen, wie man Vorgelesenes eben vernimmt; da wirkt nicht bloßes Ermahnen und Belehren, also Buß- und Lehrpredigt, die wortreich zum einen Ohr hinein- und zum andern hinausgeht. Hier waltet zwar auch nicht die heilig-natürliche Grundkraft, die in ewigem Sicherzeugen und Sicherinnern dem Einen Volk dauernde Gemeingestalt zulebt, aber doch ergeht das einende Wort in einem eigen geschöpfnahen Sinn: es kommt mit einem Menschenleben, es west in Einem, der sein Dasein meldet und nicht mehr oder weniger, wenn er spricht: ..Mein Bruder". Der Beschluß, des Anderen Bruder zu sein, wird zur Entdeckung, daß man es schon ist: wer in den Bannkreis des Mannes von Assisi tritt, kann nicht umhin, diese Entdeckung zu machen, die sich 344

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