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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 97

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 97)
Language
German
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weltlichen Adel strebte. Vom geistigen Hochmut des in gesicherter Zelle Erlösten will er nichts wissen; nicht als einsamer, „,in Gott isolierter", Mönch erreicht er die Höhe seiner persönlichen Vollendung. Und wenn ihn, trotz aller Verehrung des Volkes, Zweifel an seiner Berufung, an seiner Würdigkeit quälen - denn nicht auf Richtigkeit und Wahrheit einer Lehre, sondern auf die volle Bewährung des Menschen kommt es hier an - und wenn er auch weiß, daß der Staub der irdischen Straßen die Füße des geistigen Menschen beschmutzt: mitten durch den Garten der Welt und Menschheit geht sein Gang. Gewiß ist es geradezu die Versuchung für ihn, sich von der Welt vollkommen abzuscheiden; an ihn konnte der Versucher zwar nicht mit den verlockenden „Reichen der We't und ihrer Herrlichkeit" heranschleichen, wie an Jesus - aber wohl wie an den Buddha mit der listigen Rede, er möge nun, da er ja die Erkenntnis des Heils habe, in seine Erlösung eingehen. Franziskus überwindet diese Versuchung und bleibt so dem weltgeschichtlichen Sinn seiner Sendung treu. Das beschauliche Leben ist seiner Seele nur die nötige zeitweise fließende Quelle, deren Wasser er in die christliche Welt leiten muß und von der er nicht allein trinken darf. Erkenntnis des Heils ist hier Befehl, dem der Tätige folgt; da die Aufforderung seiner Nächsten inneren Kämpfen die Entscheidung bringt und er sich zu neuer Predigtfahrt anschickt, spricht er das gehorsame Wort: ,,also gehen wir im Namen des Herrn!" ★ ★ ★ In denen, die mit Franziskus gehen, vervielfacht er sich : wie er sieh selbst aufweiten Wanderungen darstellt und zeigt, so läßt er durch sie. die er zu zweien in die Lande sendet, seine Kunde offenbar werden. In ihnen werden Antlitz und Gestalt, Sprache und Gebärde des einen Mannes überall wahrgenommen: denn jene Ersten und Nächsten tragen, ein jeder in seiner Weise, das Kennzeichen des Meisters an sich. Wa» sie an ihm sehen, prägt sie selbst und dem Narren Gottes entsprechen genau die Spielleute des Herrn, die Franziskus gleichsam ausstrahlt, um die Herzen der Menschen zu Gott zu erheben, als zur höchsten Freude: als Gleichnis des eigenen ritterlichen Wesens sind sie seine Ritter der Tafelrunde. Mehr oder minder wrerden sie alle wie der kindliche Bruder Giovanni, der einfältige Bauernjunge, der Zug um Zug nachmacht, was Franziskus tut; den früh Verstorbenen nennt Franziskus einen Heiligen. Ihm gleicht Ginepro, ihm ähneln Masseo und Egidio, der Gehorsamste, der Ekstatiker; von solcher MS

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