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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 96

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 96)
Language
German
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Menschen das geistige Wesen solcher Armut mitten in eine Welt hineinstellt, in der sich gerade neue Formen des Wirtschaftslebens weit und breit zu entfalten beginnen. Wie eine Mahnung durch die wortlose Tat steht diesem gesteigerten Erwerbswillen der Zeit und ihrer erraffenden Geschäftigkeit die Verpflichtung gegenüber, die neben der völligen Besitzlosigkeit den Minderbrüdern auferlegt wird: die der dienenden Arbeit. Das Wort der Aussendung, daß ein Arbeiter seiner Speise wert ist, findet im Kreise des Franziskus eine neue Bedeutung; die Brüder müssen überall mitangreifen, wo arbeitende Hände sich regen. Sie sollen das Handwerk ausüben, das sie gelernt haben, und mögen dafür ihren Unterhalt nehmen. „Ich habe mit meinen Händen gearbeitet und ich verlange, daß alle Brüder ehrliche Arbeit tun66, sagt Franziskus. Einen trägen Bruder jagt er weg: „Geh9 deines Wegs, Bruder Fliege! Du willst von der Arbeit deiner Brüder leben und faul sein in Gottes Arbeit, wie eine Drohne?46 Finden aber die Brüder keine Arbeit, - gemeint ist stets die Handarbeit, der Dienst in Privathäusern, auf dem Feld, in Spitälern - dann mögen sie sich am „Tisch des Herrn66 niederlassen: so nennt Franziskus das A'mosen, das Bettlern gereicht wird; einzig die Annahme von Ge'd ist ihnen streng verboten. So wird der arbeitsvolle Tag mitgelebt; die Arbeit.wo sie sich bietet, aber auch die Annahme der barmherzigen Gabe, wo die Not sie erfordert, wird aus dem Geist evangelischer Erlösungsgemeinschaft vorgeschrieben: beides ist gegenseitige Hilfe und brüderliches Teilhaben an aller Wirklichkeit. Der Friede, die Armut und die Arbeit - dieses drei bilden zusammen die Weltheiligung des Franziskus. Sein Leben „in Christo66 macht die christliche Mittelbarkeit aller Heiligung nicht zur Trennung, sondern bewirkt gerade die Bindung mit der Welt: sein nichtpriesterliches und doch apostolisches Wesen setzt sich über die Schranken mönchischen Für-sich-Seins hinweg. Der Weg, den Franziskus gegangen ist, hat ihn am entscheidenden Punkte nicht aus der Welt heraus in die Klosterzelle geführt. Die Abgeschiedenheit, die er oft und gern aufsucht, die Versenkung und betende Betrachtung, der er sich in der Einsamkeit von Wald und Höhle in den Carceri des Subasioberges. am trasimenischen See, in Sarteano und auf dem Berg Alverno hingibt, halten ihn nie dauernd fest, machen ihn nicht zum vornehmheiligen Anachoreten: seine Art bleibt weit- und erdgemäß und strebt nicht jetzt zu klösterlicher Aristokratie, wie einst der Jüngling zum

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