Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
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muß ihre Meinung sein; sie ist nicht lediglich Methode, die von der Welt, von Gottes Schöpfung, hinwegführt, sondern sie gehört zur Offenbarung und ist Gestalt der Erlösung. Gegenwartswirklich fassend, was zu seinem Heil ein für allemal geschehen ist, lebt Franziskus die entscheidende Form dieses Geschehens in seinen Ort und seine Stunde hinein. Ein Armer ist Messias - Jesus war der Arme um seiner Messianität willen; was aber an ihm Eigenschaft letzten Daseins, prophetisch angegebenes einmaliges Zeichen war, das eintreffen mußte, das muß jetzt, durch die Zeitlichkeit hindurch, zum mystischen Gesetz werden, das an jenen bindet, wie Taufe und Abendmahl: „Sei ein Armer", heißt dies Gesetz. Immer wieder betont Franziskus die besondere Heiligkeit der Armut, der ,,der Herr die Schlüssel des Himmelreichs übergeben hat44; sie ist ihm so wenig eine soziale Einrichtung44 im Sinne dieses neuzeitlichen Begriffs, wie uns etwa der heilige siebente Tag. Die Armut ist in Wahrheit ein neues Sakrament, das Hochamt, das Franziskus zelebriert. An ihr hält er denn auch unerschütterlich gegen alle Einwände, sogar gegen die des Papstes, fest und verlangt sie „nach Gottes ausdrücklichem Rat'4 nicht allein für jeden Einzelnen, sondern für die Gemeinschaft als solche: nur dieser, der vollkommen armen, ist das Himmelreich. Alles steht für ihn in ihrem Zeichen: klein und gerade für die betenden Menschen bemessen, nicht eine hohe Halle voller Idee, ist die Kirche der Portiuncula, die er liebt; auf den Schmuck der Altäre, auf das Brevier und selbst auf das Psalterium kann er verzichten; seine Wohnstätten sind keine eigenen Klöster, oft überhaupt kaum Bauwerke; einen Raum, von dem ein Bruder einmal nur gesagt hat: „Deine Zelle44 - betritt er nicht wieder. So wird die freigewählte Armut die Grundlage dieses evangelischen Lebens. Die „Dame Armut44, von Dornen umwunden und geschmäht und von Franziskus ritterlieh umworben und gewonnen, erstrahlt in himmlischem Glanz; von ihrem itwentum seit Jesus von Nazareth, von ihrer Hochzeit mit dem Heiligen von Assisi und von der vollen Glückseligkeit in ihr dichten die Begeisterten um Franziskus ein neues Hohes Lied. Der ewige Brautgesang, der durch die Minnelieder mvstisch hinströmt, klingt mit christlicher Stimme vor der „reichen Armut44 auf, im Bilde sakramentaler Vereinigung letzte Vollendung offenbarend. Wenn irgendwo, dann wird hier der urchristliche O C 7 Sinn der Franziskusgestalt erfaßbar; die Spannung, die in allem Christsein liegt, erhält ihren schärfsten Ausdruck, da der Krfüllungsw ille dieses :ui