Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2823768-2823781-2823785--0280-2824350
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

staben (character): des der Welt-Vernunft. Verwechseln wir ja nicht dies Bild vom Weltbuch mit den elenden uneigentlichen Vergleichen wie ,Buch der Geschichte4, ,Buch der Natur*! Shakespeare v ergleicht nicht die Welt einem Buch; nein, sieht und liest sie als wirkliches Buch; ja meint mit dem antique book zugleich und in erster Linie in der Tat irgendeinen alten Chronikenband; in solcher Zusammenschau v on Schmöker und Weitung, daß jener diese und diese jenen ergibt, der Schmöker selb wieder nur eine Letter (character) des Welt-Chronikbuchs., und als Charakter-Letter die Menschheit-Geschichte aller Sonnen-L miaute wirklich in den Charakter eines Buches einpreßt. Das Buch ist hier das notwendige Bild; weshalb es mit dem Einzelbuch in Ems fällt; ein wesenhafter, kein ,bloßer6 Einfall, wie Goethesche vergleichende Zierbilder bloß. Z.B. am Schluß von Tasso, von Wilhelm Meisters Lehrjahren, von Dichtung und Wahrheit die vom Schiffer und Fels, von Sauls Suche der Eselinnen und Fund eines Königreichs, von den Sonnenpferden und dem leichten Wagen des Schicksals: - Einfälle, die auch ausfallen oder anders ausfallen hätten gekonnt; metaphorische, ohne Intuition. Shakespeares bildsehende Kraft - imaginäry sight: - Sonett 27 - Hießt aus der Selbigkeit der Derselbigkeit, aus dem Reiche, wo das Selb sich begegnet. Sich in seiner eigenen Präge: in dem Geistkind, das ein Schriftwerk über das leibliche Geschöpf, in dem die Schönheit der Welt sich ausdrückt. Weil er Dichter des Sonettenbuchs dieses Ausdrucks, drückt Shakespearen die Welt sich im Buchdruck aus. Wie Dante, weil er die Erinnerungen seiner Himmelschau, die unaussprechlichen, dennoch in sein Paradies- Buch zusammengezwungen, die Tiefe, in die sein Blick -ich verlor, als Buch sah: „Legato con amore in un volume, - Cio che per funiver^o si squaderna, - Sustanzia ed accidente, o lor costume". Andernfalls - bei unnotwendigerem Gedicht - Goethes Zweifel recht hat: ob in einem Buch Buch wieder einen Vergleich abgeben dürfe. Verwechseln wir ebensowenig die Gleichung des W elt-Buchs als des Sich-Selb-Findens mit den platonischen Ideen, sefs als Tvpen, die sich in den Einzelnen ausdrücken, sei's als Urbildern im Nachbild. Nicht nur, daß, wie schon einmal gesagt, Shakespeare nichts zu tun hat mit der Hierarchie und Stufenleiter, die der untersten Sprosse den geringeren Grad von Wesenheit zuerkennt: die Gleichung des Buchs als solche ist dem Plato undenkbar; sie, als von einem Schriftbilderbuch, setzt voraus ei- 2T;j

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.